Pädagogische Dienste


Workcamps

Alljährlich finden in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück mehrere internationale Workcamps statt. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit einem Thema der KZ-Geschichte (Führungen, Filme, Zeitzeugengespräch) wird mit praktischer Arbeit auf dem Gelände der Gedenkstätte verbunden (Spurensuche unter fachlicher Anleitung, Gedenkstättenpflege). Zentraler Bestandteil solcher Camps ist die internationale Begegnung.

 

In diesem Jahr liegen die Termine der einzelnen Workcamps so:

 

Sommer 2010 | Jugendbegegnungen  

Internationale Workcamps 

17. - 31. Juli 2010 | NIG-Workcamp

24. - 30. Juli | Mittendrin Neuruppin

5. – 15. August 2010 | FrauenLesbenTransgender-Workcamp

9. - 21. August 2010 | VJF-Workcamp  

16. - 30. August 2010 | SCI-Workcamp

10. – 12. September 2010 | Kolping-Workcamp

 

Außerdem findet vom 17. bis 23. Oktober 2010 das Regionale Workcamp »Helfen erlaubt?!« Das Workcamp der helfenden Verbände statt.


 

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Bericht über die internationalen Workcamps 2008 | Im Sommer Juli und August 2008 befanden sich insgesamt sechs Workcamps mit etwa 100 Jugendliche aus verschiedenen Teilen der Welt die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, um an insgesamt sechs internationalen und regionalen Workcamps teilzunehmen. Gemeinsam mit ihren bewährten Projektpartnern der Kolping Jugend, der Norddeutschen Jugend im Gemeinschaftsdienst e.V. (NIG), des Service Civil International (SCI) sowie des Vereins Junger Freiwilliger e.V. (VJF), konnten die Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte ein umfangreiches Programm erstellen und erfolgreich realisieren. 

Das jährlich stattfindende FrauenLesbenTransgenderCamp (FLT) war auch dieses Jahr mit Instandsetzungsarbeiten auf dem Uckermark-Gelände befasst. Im Anschluss daran wurde in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendring Brandenburg und den helfenden Verbänden (THW, Johanniter, Feuerwehr, Rotes Kreuz) ein u.a. von der F.C.-Flick Stiftung gefördertes Regionales Workcamp zum Thema »Helfen« veranstaltet, das sich insbesondere durch die Herkunft der Teilnehmenden aus der näheren Umgebung auszeichnete.

Die Workcamps waren mit unterschiedlichen Aufgaben betraut, wobei in diesem Jahr ein Schwerpunkt auf inhaltlichen Erschließungs- und Übersetzungsarbeiten lag. Dies kam einem Großteil der Gruppenmitglieder entgegen, deren zentrale Motivation ihr inhaltliches Interesse war. Aber auch die Außenarbeiten wurden mit großem Elan ausgeführt, da hier insbesondere das soziale Miteinander durch die gemeinsame Tätigkeit erlebt werden konnte. Die unterschiedliche kulturelle Herkunft vieler TeilnehmerInnen führte zu ausgiebigen Diskussionen über historisch-politische Fragen. Mit erheblichem Ehrgeiz trainierten viele ihre Fremdsprachenkenntnisse mithilfe der Übersetzungsarbeiten. 

Jedes Workcamp begann mit einer detaillierten Orientierungsführung, ergänzt durch den Film »Die Frauen von Ravensbrück«. Weitere Programmpunkte waren der begleitete Besuch verschiedener Ausstellungen, eine Einführung in die praktischen Arbeiten vor Ort sowie ein Ausflug zum ehemaligen Uckermark- und zum ehemaligen Siemens-Lager

Die reguläre Arbeit der Workcamps wurde regelmäßig durch inhaltliche Bestandteile wie Workshops, Ausflüge oder Führungen unterbrochen. So konnten mit verschiedenen Gruppen u.a. die ehemaligen Außenlagerstandorte Neubrandenburg und Retzow-Rechlin sowie das ehemalige SS-Sanatorium in Hohenlychen besucht werden.  

An den Wochenenden unternahmen die Gruppen mehrheitlich Exkursionen nach Berlin und Rostock. Unter der Woche hielten sie sich überwiegend in Fürstenberg auf. Durch kleinere Ausflüge in die nähere Umgebung bekamen sie einen Eindruck von den Lebensbedingungen vor Ort.

Ein Journalist des Deutschlandfunks begleitete das VJF- und das SCI-Camp über zwei Tage und erstellte ein Feature.

Als Teamer betreute Andreas Häckermann die Camps. Für die Pädagogischen Dienste der Gedenkstätte verantworteten Thomas Kunz und Angelika Meyer die Betreuung. 

 

Freitag 11. Juli 2008 - Sonntag, 13. Juli 2008 | Workcamp

Workcamp  der Kolping-Jugend  

Die Kolping-Jugend aus Berlin-Siemensstadt traf am 11. Juli 2008 in der Gedenkstätte ein. Sie verteilte sich auf zwei Arbeitsbereiche: eine »wissenschaftliche« Gruppe, die Literaturrecherchen zur Erschließung von Informationen für das Archiv vornahm, sowie eine »handwerkliche«, die im Gelände arbeitete.

Beide Gruppen zeigten sich sehr engagiert und interessiert. Die wissenschaftliche Gruppe hinterließ mehrere vollständig bearbeitete Erinnerungsberichte, die in die Archivdatenbank übernommen werden können.

Die handwerkliche Gruppe befreite das Gebiet um die historischen Beutegutbaracken von Bauschutt und Gewächs. In naher Zukunft sollen die Baracken vollständig restauriert und damit vor dem Verfall gerettet werden. Die schnelle und effektive Aufräumarbeit der Kolping-Gruppe schaffte dafür gute Voraussetzungen.

 

 

Sonntag, 13. Juli 2008 – Sonntag, 27.  Juli 2008 | Workcamp

Internationales NIG-Workcamp   

Am Sonntag, den 13. Juli 2008 begann das 14tägige Workcamp der Norddeutschen Jugend im Gemeinschaftsdienst. Die TeilnehmerInnen aus Italien, Frankreich, der Türkei, Serbien, Russland, Tschechien und Süd-Korea leisteten umfassende Übersetzungsarbeiten. Die Jugendlichen zeigten sich höchst interessiert an der Geschichte Ravensbrücks und diskutierten angeregt über politisch-historische Themen. Höhepunkt ihres Aufenthaltes war ein Überlebendengespräch mit Batsheva Dagan, das einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Die Jugendlichen nahmen auch an einer Führung über das ehemalige Gelände des »Jugendschutzlagers Uckermark« teil. Nach einem Ausflug nach Rheinsberg zu Beginn der zweiten Woche konzipierten sie an einem Projekttag zwei Präsentationen zu den Themen »Männerlager« und »Siemens in Ravensbrück«, in dessen Rahmen beide Gelände besichtigt und fotografiert wurden.

Am Freitag besuchten sie Neubrandenburg, um die Standorte des ehemaligen Außenlagers »Mechanische Werkstätten Neubrandenburg« sowie des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers bzw. Speziallagers Fünfeichen zu besichtigen. 

   

Samstag, 26. Juli 2008 – Samstag, 9.  August 2008 | Workcamp

Internationales SCI-Workcamp [Service Civil International]     

Das SCI-Workcamp war dieses Jahr trinational. Junge deutsche, ukrainische und polnische Frauen beschäftigten sich zwei Wochen lang mit der Übersetzung von Archivalien. Nach einem intensiven Einführungstag begannen sie mit ihrer engagierten Arbeit. Am dritten Tag ihres Aufenthaltes begann ein zweitägiger Workshop zum Thema »Kunst als Zeugnis«, der vom »Berliner Arbeitskreis Konfrontationen« des Fritz-Bauer-Instituts durchgeführt wurde. Als herausragendes Ereignis fand zu Beginn der zweiten Woche ein Überlebendengespräch mit Charlotte Kroll und Ilse Heinrich statt. Am folgenden Tag betreute das SCI-Travelling-Workcamp die Gruppe. Während ihres viertägigen Besuchs führten die vier jungen Frauen aus Serbien, Frankreich und Österreich einen Workshop zum Thema »Friedenssicherung« durch. Abseits des offiziellen Programms hielten die polnischen und ukrainischen Teilnehmerinnen Vorträge zu ihren Heimatländern und stellten typische Nationalgerichte vor. In den folgenden Tagen konzentrierten sich die Teilnehmerinnen auf die Übersetzungsarbeiten. Den Abschluss bildete eine Fahrt nach Rheinsberg und zum Stechlinsee.

 

Montag, 4. August 2008  – Sonntag, 17. August 2008 | Workcamp 

Internationales VJF-Workcamp [Vereinigung Junger Freiwilliger]  

Das Workcamp des Vereins Junger Freiwilliger begann am Montag, den 4. August 2008, mit dem Überlebendengespräch mit Charlotte Kroll und Ilse Heinrich. Im Anschluss wurden die TeilnehmerInnen aus Süd-Korea, Frankreich, Serbien, Kanada, der Türkei und Moldawien intensiv durch das Gelände und die Bibliothek geführt. Am folgenden Tag begannen die TeilnehmerInnen mit ihrer Arbeit. Zunächst stellten sie den Weg zum ehemaligen Siemens-Gelände fertig, an dem perspektivisch ein Gedenkort entstehen wird. In der verbleibenden Zeit setzten sie die Aufräumarbeiten um die Beutegutbaracken fort.

Am Freitag unternahm die Gruppe einen gemeinsamen Ausflug zum Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Retzow-Rechlin, wo sie an einer Führung teilnahmen. Des Weiteren besuchten sie bei einer begleitenden Veranstaltung verschiedene Seminare zum Thema Rechtsextremismus und Antisemitismus. In der folgenden Woche führte die Gruppe einen Theaterworkshop durch, der von Herbert Brauer geleitet wurde. Die Kreativität der TeilnehmerInnen schuf eine produktive Atmosphäre, so dass das pantomimische Stück schließlich auf dem Marktplatz in Fürstenberg aufgeführt wurde. Aufgrund des hohen Interesses der TeilnehmerInnen wurde beschlossen, einen zweiten Ausflug zu unternehmen. Ziel war das ehemalige SS-Sanatorium in Hohenlychen. Durch Fotographien näherten sich die Gruppenmitglieder dem Ort und den Stichworten »Aura« und »Verfall«. Am folgenden Tag beleuchteten wir diese Perspektive kritisch anhand eines Dokumentarfilms zum Thema. 

 

Mittwoch, 6. August 2008  - Sonntag, 17. August 2008 | Workcamp

Internationales Frauen-Lesben-Transgender-Workcamp      

Das jährlich durchgeführte FLT-Baucamp fand dieses Jahr zwischen dem 6. und 17. August 2008 unter besonderen Voraussetzungen statt, da das Gelände des ehemaligen Uckermark-Lagers im Frühjahr von Unbekannten mutwillig verwüstet wurde und so viele Reparaturen notwendig waren. Dies führte bei den TeilnehmerInnen zu intensiven Debatten, auch was die Perspektiven des Gedenkortes insgesamt anbelangt. Die Schwierigkeiten angesichts der bevorstehenden Konversion des Geländes bildeten einen zentralen Diskussionspunkt. Die Bau- und Instandsetzungsarbeiten verliefen sehr zügig und zufrieden stellend. Neben den Bauarbeiten vor Ort nahm die Gruppe an Rundgängen durch das ehemalige Frauenlager sowie das ehemalige Siemens-Gelände teil.

 

Samstag - Freitag |  23.-29. August 2008 | Workcamp

Regionales Workcamp der Helfer-Organisationen

Vom 23. bis zum 29. August fanden sich zahlreiche Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren in der Gedenkstätte Ravensbrück ein, um sich unter der Fragestellung »Helfen erlaubt?« mit »Hilfe und Zivilcourage in Geschichte und Gegenwart« auseinanderzusetzen. Sie waren größtenteils Mitglieder der Johanniter Jugend, der Jugendfeuerwehr Brandenburg, des Jugendrotkreuz und der THW-Jugend. In drei Workshops zu den Themen »Kunst als Zeugnis«, »Das Krankenrevier im KZ Ravensbrück«, »Die Stadt Fürstenberg und das KZ Ravensbrück« sowie einem Videoworkshop, in dem Zeitzeuginnen interviewt wurden, setzten sich die TeilnehmerInnen mit der Geschichte Ravensbrücks auseinander. Die Gespräche mit den Ravensbrück-Überlebendem Charlotte Kroll, Ilse Heinrich und Esther Bejarano waren dabei die herausragenden Ereignisse. Während ihrer Arbeit wurden die TeilnehmerInnen auch von der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und dem Präsidenten des THW, Albrecht Broemme, besucht.

 

  Bericht: Andreas Häckermann  | Thomas Kunz | Angelika Meyer | Dr. Matthias Heyl

 

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Archiv | 2006 | 2005 | 2004


2006 - Zehn Jahre Workcamps der Kolping-Jugend 

Seit 10 Jahren engagiert sich das Kolping-Werk in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. 1996 fand das erste Workcamp der Kolpingjugend mit polnischen und deutschen Jugendlichen statt. Dabei wurde das spätere »Haus der Begegnung« entkernt. Nach mehreren Tageseinsätzen in den folgenden Jahren wurde 2003 wieder ein Workcamp veranstaltet. Daran nahmen Jugendliche aus dem Kosovo und Deutschland teil. Seitdem hat die Kolping-Jugend jährlich mindestens ein Wochenende in der Gedenkstätte verbracht. In diesem Jahr erwarten wir in der Zeit vom 4. bis 10. August Jugendliche aus Polen, dem Kosovo und aus Deutschland. 


Bericht über die internationalen Workcamps 2006 

 

Im Sommer 2006 verbrachten über 80 junge Erwachsene aus vielen verschiedenen Ländern jeweils zwei Wochen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, um an Internationalen Workcamps teilzunehmen. Da die Camps dieses Jahr unter kurzfristigen, schwer zu kompensierenden Mittelkürzungen seitens des Brandenburgischen Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport zu leiden hatten, konnte ihre Durchführung nur unter großen Schwierigkeiten gesichert werden.

Die Workcamps wurden von den Organisationen NIG (Norddeutsche Jugend im Gemeinschaftsdienst e.V.), ASF (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.), SCI (Service Civil International), Kolpingjugend und VJF (Vereinigung junger Freiwilliger e.V.) in Kooperation mit den Pädagogischen Diensten der Gedenkstätte realisiert. Des weiteren führte ein FrauenLesbenTransgenderCamp (FLT) seine Arbeit der letzten Jahre auf und zum Gelände des ehemaligen Mädchen-Konzentrationslagers Uckermark fort.

Während ihres je zweiwöchigen Aufenthalts setzten sich die TeilnehmerInnen der Camps intensiv mit der Geschichte des Ortes auseinander, fertigten Übersetzungsarbeiten an, recherchierten in der Bibliothek und im Archiv und führten Außenarbeiten zur Instandhaltung und Pflege des Geländes durch. Ein wichtiges Motiv zur Teilnahme an den Camps ist immer auch die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen aus unterschiedlichsten Ländern auszutauschen, zum einen über den je unterschiedlichen Umgang mit der eigenen Vergangenheit, zum anderen aber auch über die zum Teil sehr disparaten Lebensbedingungen, die gegenwärtig dort vorherrschen.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Workcamps lag dieses Jahr auf dem Thema „Die Stadt Fürstenberg und das Konzentrationslager/ die Gedenkstätte“. Die TeilnehmerInnen erörterten dabei mit Hilfe fachkundiger ReferentInnen, wie SS-Angehörige, aber auch Häftlinge, die Zwangsarbeit leisten mussten, im Ort Fürstenberg präsent waren, wie sie von den BewohnerInnen wahrgenommen wurden, und welchen Standpunkt die FürstenbergerInnen damals gegenüber dem Konzentrationslager und danach gegenüber der Gedenkstätte einnahmen.

Zu Beginn ihres Aufenthalts wurden die Campmitglieder in der Regel in einer ausführlichen Führung mit der Geschichte des Ortes sowie mit dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätte vertraut gemacht. 

Ferner standen stets eine Einführung in die Bibliotheks- und Archivbenutzung sowie ein Besuch des nahegelegenen ehemaligen „Jugendschutzlagers Uckermark“ auf dem Programm. Die zahlreichen Sonder- und Dauerausstellungen wurden von den TeilnehmerInnen selbständig oder in Begleitung von GedenkstättenpädagogInnen erkundet.

Höhepunkt der Aufenthalte bildeten Überlebendengespräche mit den ehemaligen Ravensbrück-Häftlingen Charlotte Kroll, Ilse Heinrich, Lisl Jäger und Edith Sparmann, zu denen auch TeilnehmerInnen des gleichzeitig auf der Lichtenburg, einem Vorgängerlager von Ravensbrück, stattfindenden Workcamps anwesend waren.

Des weiteren wurden die TeilnehmerInnen der Workcamps von der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte, Frau Dr. Insa Eschebach, zu einem Gespräch empfangen.

Von Seiten der Presse wurde den Workcamps einige Aufmerksamkeit zuteil, was sich an zahlreichen Zeitungsartikeln ablesen lässt.

 

 

NIG | Die sechs TeilnehmerInnen und zwei Teamerinnen des NIG-Camps aus England, Russland, Frankreich, Tschechien, Belorussland und aus Deutschland waren in der Zeit vom 24. Juli bis zum 5. August hier vor Ort. Sie leisteten wertvolle Übersetzungsarbeiten aus ihren Muttersprachen ins Deutsche, so u.a. von Häftlingsberichten und -biographien sowie von Haftanfragen. In ihrer Freizeit unternahm die NIG-Gruppe Ausflüge nach Berlin und nach Rostock.

 

 

ASF | Die sieben Teilnehmerinnen und zwei Teamerinnen des diesjährigen ASF-Workcamps waren aus Polen, Deutschland und Moldawien angereist. Die Zeit vom 24. Juli bis zum 7. August verbrachten sie in der Gedenkstätte, wobei sie in Himmelpfort untergebracht waren. Sie leisteten einen wertvollen Beitrag zur Pflege des Gedenkstättenareals, indem sie den Hang hinter den Gebäuden „Desinfektion“ und „Neue Wäscherei“ von der wuchernden Verbuschung befreiten und so wieder einen direkten Blick vom Himmelpforter Weg auf das Gedenkstättengelände ermöglichten. Inhaltlich arbeiteten die Teilnehmerinnen mit Biographien ehemaliger Häftlinge. Zwei Überlebende, Charlotte Kroll und Ilse Heinrich, statteten dem Camp einen Besuch ab und erzählten eindrucksvoll über ihre Zeit als Gefangene in Ravensbrück. Das Gespräch wurde aufgezeichnet und transkribiert. Ferner fand eine eingehendere Beschäftigung mit den englischsprachigen Ausstellungen der Gedenkstätte sowie dem “Jugendschutzlager Uckermark“ statt. Am Wochenende stand ein Abstecher nach Berlin auf dem Programm.

     

 

Kolpingjugend | Die Kolpingjugend bildete dieses Jahr das zahlenmäßig größte Workcamp in Ravensbrück. Über 40 TeilnehmerInnen aus Polen, dem Kosovo und aus Deutschland besuchten die Gedenkstätte vom 4. bis zum 10. August und leisteten dabei eindrucksvolles. Sie vollendeten die vom ASF-Camp begonnenen Außenarbeiten, legten den historischen Weg zum Siemensgelände frei und entledigten das neben diesem Weg befindliche historische Stallgebäude komplett des Wildwuchses der letzten Jahre, ebenso den einzigen der Gedenkstätte verbliebenen Original-Barackenteil im noch nicht öffentlich zugänglichen „Neuen Lager“. Am Wochenende erhielten die TeilnehmerInnen Besuch von Mitgliedern des Kolpingverbands, wurden gemeinsam mit ihnen über das Gelände geführt und feierten mit den BesucherInnen einen Gottesdienst im ehemaligen Zellenbau der Gedenkstätte.

 

 

VJF | 13 junge Erwachsene aus der Ukraine, Kanada, Serbien, Russland, Spanien, Italien, der Türkei und Deutschland bevölkerten vom 7. bis zum 19. August die internationale Jugendbegegnungsstätte, um am VJF-Workcamp teilzunehmen. Durch ihre Mithilfe bei den Renovierungsarbeiten in Haus 1 trugen die TeilnehmerInnen zum einen dazu bei, einen reibungslosen Umzug der Technikabteilung in dieses Gebäude zu ermöglichen. Zum anderen befreiten die TeilnehmerInnen die Platten am Mahnmal von den gras- und moosbedeckten Überwucherungen. Angelika Krüger-Leisner, SPD-Bundestagsabgeordnete aus der Region

und Gedenkstättenbeauftragte ihrer Partei, stattete dem Camp einen Besuch ab und unterhielt sich mit den Jugendlichen über ihre Motivation sowie ihre vor Ort gesammelten Eindrücke. Auch Robert Philipp, der Bürgermeister von Fürstenberg, traf die jungen Erwachsenen am 15. August zu einem Gespräch, in dem das Verhältnis der Stadt Fürstenberg zur Gedenkstätte thematisiert wurde, aber auch die Probleme, mit denen Fürstenberg und seine BewohnerInnen gegenwärtig zu kämpfen haben. Am 16. August berichtete die Historikerin Annette Leo von  den interessanten Ergebnissen ihrer Forschungen zum Verhältnis der damaligen EinwohnerInnen von Fürstenberg zum Konzentrationslager. Vor einigen Jahren führte sie zu diesem Zwecke zahlreiche Interviews mit ZeitzeugInnen durch, die zeigten, in welchem Ausmaß der Ort durch das Lager geprägt war. Den Höhepunkt des Camps stellte das Überlebendengespräch mit dem ehemaligen Ravensbrück-Häftling Lisl Jäger dar, die sehr eindrucksvoll ihre Zeit im östereichischen Widerstand, in vielen NS-Gefängnissen sowie in Ravensbrück schilderte und auch auf die Zeit nach der Befreiung einging. Am Wochenende unternahmen die TeilnehmerInnen einen Abstecher nach Berlin. 

 

 

SCI | Das SCI-Camp wurde als deutsch-polnisch-russisches Workcamp bestritten. Während ihres Besuches in der Gedenkstätte vom 12.8. bis zum 26.8. entfernten die Teilnehmerinnen das Moos zwischen den Steinplatten am Schwedtsee und entfernten Bäume und Gestrüpp auf dem ehemaligen Siemensgelände, um den Erhalt der Fundamente zu gewährleisten. In der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes recherchierten die Campmitglieder u.a. über Lebensgeschichten eheehemaliger Häftlinge aus ihren jeweiligen Heimatländern. Ferner wirkten sie an den erwähnten Gesprächen mit Angelika Krüger-Leisner, Robert Philip, Annette Leo und Lisl Jäger mit. In der zweiten Woche führte das Projekt „Konfrontationen“ des Fritz-Bauer Instituts mit den Teilnehmerinnen einen zweitägigen Workshop zum Thema „Kunst in Ravensbrück“ durch. Dabei arbeiteten sie u.a. mit Zeichnungen ehemaliger Häftlinge und diskutierten über die künstlerische Gestaltung des Gedenkens in Ravensbrück. Die parallel stattfindende Ravensbrücker Sommeruniversität bot zudem die Möglichkeit, an einzelnen Veranstaltungen und Workshops aktiv teilzuhaben. Ein Ausflug nach Berlin mit Besuch des Holocaust-Denkmals und des Reichstags wurde am 19. August durchgeführt. 

 

 

FrauenLesbenTransgender-Baucamp | Am FLT-Camp (21.8. – 3.9.) beteiligten sich dieses Jahr 24 junge Frauen, die wie in den letzten Jahren in Himmelpfort untergebracht waren. Am Standort des ehemaligen „Jugendschutzlagers Uckermark“, wo zwischen 1942 und 1944 mehr als 1000 junge Frauen inhaftiert waren und zu Zwangsarbeit gezwungen wurden, führten die Campmitglieder umfangreiche Arbeiten durch. Sie verstärkten die Sichtbarkeit der Ausmaße des ehemaligen Lagers, verbreiteten den angelegten Rundweg, fertigten eine Box für Infomaterialien an und erneuerten einen Teil der vorfindlichen Beschilderung. Ferner arbeiteten sie im Archiv der Gedenkstätte zur Uckermark-Thematik, luden ReferentInnen ein (u.a. stellte der Regisseur Malte Ludin seinen Film „2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß“ vor) und führten als Höhepunkt ein Interview mit der ehemaligen Ravensbrück-Inhaftierten Edith Sparmann durch. Am letzten Wochenende ihres Aufenthalts organisierten die Teilnehmerinnen eine Führung für die Öffentlichkeit über das Gelände. Ferner entstanden konkrete Pläne zur Umsetzung eines Uckermark-Archivs in Berlin.   

 

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Bericht über die Workcamps 2005 

Auch 2005 weilten im Zeitraum vom 11. Juli bis zum 21. August insgesamt vier internationale Workcamps mit freiwilligen jungen Erwachsenen aus vielen verschiedenen Ländern in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. 

Die Camps werden alljährlich von den Organisationen NIG (Norddeutsche Jugend im Gemeinschaftsdienst e.V.), ASF (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.), SCI (Service Civil International) und VJF (Vereinigung junger Freiwilliger e.V.) in Kooperation mit den Pädagogischen Diensten der Gedenkstätte realisiert. 

Des weiteren führte ein FrauenLesbenTransgenderCamp (FLT) seine Arbeit der letzten Jahre auf und zum Gelände des ehemaligen Mädchen-Konzentrationslagers Uckermark fort.

Während ihres je zweiwöchigen Aufenthalts setzten sich die TeilnehmerInnen der Camps intensiv mit der Geschichte des Ortes auseinander, fertigten Übersetzungsarbeiten an, recherchierten in der Bibliothek und im Archiv und führten Außenarbeiten zur Instandhaltung und Pflege des Geländes durch. Der Schwerpunkt der Workcamps lag dieses Jahr auf dem Thema „Menschenrechte“, d.h. der Frage, wie konkret hier an diesem Ort unterschiedlichste Menschenrechte verletzt wurden.

Ein weiteres wichtiges Motiv zur Teilnahme an den Camps war sicherlich die Möglichkeit, sich mit jungen Erwachsenen aus vielen verschiedenen Ländern auszutauschen, über den je unterschiedlichen Umgang mit der Vergangenheit, aber auch über zum Teil sehr disparate Lebensbedingungen im hier und jetzt.

Untergebracht waren die TeilnehmerInnen (mit Ausnahme des FLT) in der Jugendherberge Ravensbrück. In ihrer Freizeit unternahmen sie zahlreiche Ausflüge in die Umgebung, um „Land und Leute“ kennen zu lernen.

Am ersten Tag ihres Aufenthalts wurden die Campmitglieder in einer ausführlichen Führung mit der Geschichte des Konzentrationslagers sowie mit dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätte vertraut gemacht. Der neue Film von Loretta Walz („Die Frauen von Ravensbrück“) mit zahlreichen Berichten von Überlebenden rundete diesen Tag ab.

Ferner standen stets eine Einführung in die Bibliotheks- und Archivbenutzung sowie ein Besuch des nahegelegenen ehemaligen „Jugendschutzlagers Uckermark“ auf dem Programm. Die zahlreichen Sonder- und Dauerausstellungen wurden von den TeilnehmerInnen selbständig oder in Begleitung pädagogischen Personals erkundet.

Einen Höhepunkt ihres Besuches stellte die Begegnung mit den beiden ehemaligen Häftlingen Charlotte Kroll und Ilse Heinrich aus Berlin dar, die von ihrer schrecklichen Zeit im Frauenkonzentrationslager berichteten und sich den zahlreichen interessierten Nachfragen der TeilnehmerInnen stellten.

Des weiteren wurden alle Workcamps von der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte, Frau Dr. Insa Eschebach, zu einem Gespräch empfangen.

NIG | Die 10 TeilnehmerInnen und zwei Teamerinnen des NIG-Camps verbrachten die Zeit vom 11. bis zum 24. Juli hier vor Ort. Sie kamen aus England, Russland, Frankreich, Korea, der Slowakei und aus Deutschland.  Auch dieses Jahr leisteten sie wertvolle Übersetzungsarbeiten aus den jeweiligen Muttersprachen ins Deutsche, so u.a. von Häftlingsberichten und –biographien sowie von Haftanfragen. In ihrer Freizeit unternahm die NIG-Gruppe Ausflüge nach Berlin, in die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen, sowie eine Kanutour und eine Führung durch die Stadt Fürstenberg. Beim gemeinsamen Abschiedsessen präsentierten sich die TeilnehmerInnen wechselseitig je ein typisches Gericht für ihr Herkunftsland.

ASF | Die sieben Teilnehmerinnen und eine Teamerin des diesjährigen ASF-Workcamps kamen aus Moldawien, Tschechien und Deutschland. Ihr Aufenthalt in Ravensbrück währte vom 16. bis zum 30. Juli. In dieser Zeit begannen sie, die Ruinen des unmittelbar nach der Wende geplanten Renault-Autohauses an der Straße der Nationen abzutragen. 1991 sollte an dieser Stelle, zusammen mit einem Supermarkt, ein Renault-Autohaus errichtet werden. Nach heftigen Protesten aus dem In- und Ausland, nicht zuletzt von Überlebendenverbänden, sowie massiven Auseinandersetzungen intervenierte schließlich der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe, und die Vorhaben wurden nicht realisiert. Seitdem lag der begonnene Rohbau brach. In Kooperation mit dem Bürgermeister der Stadt Fürstenberg/Havel, Herrn Philip, und dem Leiter des Bauamtes, Herrn Gröschl, gelang es nun endlich, den Rohbau umzustürzen und Container zur Entsorgung des Baumaterials bereit zu stellen. Noch verwendbare Backsteine wurden per Presseinserat an das Tierheim in Tornow abgegeben. Allgemein zeigte die Presse ein großes Interesse an den Tätigkeiten der Workcamps, was sich in mehreren Artikeln zum Thema nieder schlug. Außerdem führten wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Menschenrechte ein eintägiges Seminar zum Thema Menschenrechte durch. Ansonsten beschäftigten sich die Teilnehmerinnen intensiv mit Häftlingsbiographien und fertigten ein Tagebuch ihres Aufenthaltes an, das abwechselnd reihum verfasst wurde. An den Wochenenden standen Abstecher nach Berlin und Stralsund auf dem Programm.

SCI | Das SCI-Camp umfasste dieses Jahr zehn junge Frauen aus Schweden, Polen und Deutschland, darunter zwei Teamerinnen. Während ihres Besuches in der Gedenkstätte vom 24.7. bis zum 7.8. leisteten sie einen Großteil der Abbrucharbeiten am Standort des geplanten Renault-Autohauses. Weitere zwei Tage waren dem Thema „Menschenrechte“ gewidmet, dem wir uns in unterschiedlicher Weise annäherten: Einmal anhand nonverbal-spielerischer Methoden, d.h. Szenen der Menschenrechtsverletzung oder des Eintretens für Menschenrechte, möglichst aus den Herkunftsländern der Teilnehmerinnen, wurden rekonstruiert und diskutiert. Zum anderen wurde mittels der UN-Erklärung für Menschenrechte von 1948 der Bezug hergestellt zu Menschenrechtsverletzungen hier konkret zu Zeiten des Konzentrationslagers. Zwei Tage lang war ein Travelling-Workcamp des SCI hier zu Gast, arbeitete mit den Teilnehmerinnen des hier stattfindenden Workcamps und veranstaltete mit ihnen ein Seminar zum Thema „Menschenrechte“. Bei den Menschenrechtsseminaren führten zwei Studentinnen der Humboldt-Universität Berlin eine teilnehmende Beobachtung durch, um daraus Rückschlüsse zu ziehen für eine Projektarbeit zum Thema „Menschenrechtsbildung in Ravensbrück“. Am 4. August stattete der brandenburgische Bildungsminister Rupprecht den Workcamps einen Besuch ab. Er wurde von der Direktorin der Gedenkstätte, Frau Dr. Eschebach, und dem pädagogischen Leiter, Herr Dr. Heyl, über das Gelände begleitet und unterhielt sich mit den Campteilnehmerinnen über ihre Tätigkeit hier vor Ort sowie über ihre Motivationen. Weiterhin beschäftigten sich die Teilnehmerinnen intensiv mit den Biographien ehemaliger Häftlinge des Frauenkonzentrationslagers. Die freie Zeit am Wochenende nutzten die Campmitglieder zu einem Ausflug nach Berlin sowie zu einem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen.  

VJF | 13 junge Erwachsene aus Schweden, Georgien, Italien, Tschechien, Irland, Frankreich, Spanien, Kanada, Österreich und Deutschland bevölkerten vom ersten bis zum 13. August die internationale Jugendbegegnungsstätte, um am VJF-Workcamp teilzunehmen. Die Teilnehmerinnen führten letzte Arbeiten an der Autohausruine durch, ehe sie sich am Standort des ehemaligen „Zeltes“ daran machten, Balken zu sägen, zu bohren und zu vernageln, um einen Zaun zu erstellen, damit die dort befindliche Ausstellung zur Geschichte des Zeltes und der Gedenkstein der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Außerdem veranstalteten wir ein Seminar zum Thema Menschenrechte sowie in Zusammenarbeit mit „Waidak media e.V.“ einen dreitägigen Medien-Workshop, bei dem sich zwei Gruppen bildeten: Die erste Gruppe erstellte eine Videodokumentation zum Thema „Leben neben der Gedenkstätte“ und führte dazu Interviews u.a. mit dem Bürgermeister und dem evangelischen Pfarrer von Fürstenberg sowie BürgerInnen des Ortes und TouristInnen durch. Die andere Gruppe visualisierte mittels einer Powerpoint-Präsentation das Thema „Menschenrechte“ anhand damit konnotierter Begriffe, wie etwa „Freiheit“, „Bestrafung“ etc. Bei seinem Besuch am 4. August traf der brandenburgische Bildungsminister auch mit den VJF-Teilnehmerinnen zusammen. In ihrer Freizeit unternahmen sie eine ausgedehnte Exkursion nach Berlin und bekochten sich mit kulinarischen Köstlichkeiten.

FrauenLesbenTransgender Workcamp | Am FLT-Camp beteiligten sich dieses Jahr 11 Frauen aus Deutschland und eine Österreicherin. Es erstreckte sich vom 7. bis zum 21. August. Wie in den letzten Jahren logierten die Teilnehmerinnen in Himmelpfort. Am Standort des ehemaligen „Jugendschutzlagers Uckermark“, wo zwischen 1942 und 1944 mehr als 1000 junge Frauen inhaftiert waren und zu Zwangsarbeit gezwungen wurden, führten die Campmitglieder umfangreiche Arbeiten durch. Sie erneuerten die Informationsschilder am Rundgang, der von früheren Camps angelegt worden war, verbreiterten den Rundweg und verbesserten die Kenntlichmachung der ehemaligen Lagerumzäunung. Zudem produzierten sie einen Film zum Uckermark-Lager und trafen sich zu einer Diskussionsrunden mit Christa Schikorra, die viel zur Häftlingsgruppe der sogenannten „Asozialen“ in Ravensbrück gearbeitet hat, und mit Wienke Zitzlaff, der Schwester von Ulrike Meinhof, um über deren Film „Bambule“ zu diskutieren, in dem autoritäre Heimerziehungsmethoden kritisiert werden. Viele der Insassinnen des Uckermark-Lagers kamen aus Einrichtungen der „Fürsorgeerziehung“ dorthin.

Bericht: Thomas Kunz

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Bericht über die Workcamps 2004 

Im Sommer 2004 befanden sich vier internationale Workcamps in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück:

 

Die Gruppen wurden in Kooperation mit NIG (Norddeutsche Jugend im internationalen Gemeinschaftsdienst e.V.), SCI (Service Civil International) und VJF (Vereinigung junger Freiwilliger e.V.) durchgeführt. Des weiteren setzte das FrauenLesbenTransgender-Workcamp (in der Folge FLT) seine Arbeit der letzten Jahre auf und zu dem Uckermarkgelände weitgehend selbständig fort. Die Aufgaben der Workcamps beinhalteten Außenarbeiten im Gelände, sowie Recherche und Übersetzungsarbeiten. Das Schwerpunktthema der Workcamps war dieses Jahr die Geschichte des Zeltes, das im Herbst 1944 auf Befehl der SS auf dem Gelände des sogenannten „neuen Lagers“ aufgebaut wurde. Natürlich war auch in diesem Jahr die internationale Jugendbegegnung ein weiterer wichtiger Grund für die TeilnehmerInnen, sich in der Gedenkstätte Ravensbrück einzufinden. Untergebracht waren die Gruppen (bis auf das FLT) in der Jugendherberge Ravensbrück. 

 

NIG | Das erste Workcamp wurde in diesem Jahr von der NIG organisiert. Es hatte sieben TeilnehmerInnen aus Polen, Russland, Großbritannien und der Slowakei, sowie einen deutschen Teamer. Als einziges Workcamp war die NIG-Gruppe über drei volle Wochen vom 19.7. bis zum 7.8. in der Gedenkstätte anwesend. Die TeilnehmerInnen beschäftigten sich hauptsächlich mit Übersetzungsarbeiten, die sie für das Archiv der Gedenkstätte, das Aufseherinnen-Projekt, das Gedenkbuchprojekt und die Pädagogischen Dienste anfertigten. Bei den Texten handelte es sich um Briefe von und Interviews mit Überlebenden, Teile des Nachlasses von Frau Dr. Nikiforowa, Prozessprotokolle der Hamburger Prozesse gegen die Aufseherinnen und um Arbeitsblätter für Besuchergruppen der Gedenkstätte. Ein weiterer Programmpunkt war das Treffen mit der Überlebenden Eva Fejer. Die ungarische Jüdin aus Budapest, die seit 1945 in London lebt, kam für gut vier Tage nach Ravensbrück, um sich allen Workcampgruppen jeweils einen Tag zur Verfügung zu stellen und über ihre Erlebnisse während ihres Aufenthaltes in Ravensbrück, aber auch über ihre Deportation und ihr Leben insgesamt zu erzählen. Zusammen mit den SCI-Teamern organisierte der NIG-Gruppenleiter eine Diskussion zwischen den CampTeilnehmerInnen und Herrn Robert Phillip, dem Bürgermeister von Fürstenberg/Havel. In ihrer Freizeit unternahm die NIG-Gruppe einen Wochenendausflug nach Berlin, eine Draisinenfahrt auf der Strecke Fürstenberg/Havel – Templin und eine von einem Förster geführte Waldwanderung bei Steinförde. Außerdem wurde wiederholt zusammen mit dem SCI-Camp gegrillt und Lagerfeuer gemacht.

 

SCI | Das zweite Workcamp 2004 war die Gruppe von SCI. Sie bestand aus 12 Frauen inklusive zweier Teamerinnen. Die Teilnehmerinnen stammten aus Russland, Deutschland, Großbritannien, Finnland und Frankreich. Während ihres Aufenthaltes vom 24.7. bis 7.8. beschäftigte sich die SCI-Gruppe mit weiteren Recherchen zu dem Standort und vor allem den Zuständen in dem Zelt. Hierzu verfassten sie auch einen Text. Außerdem begann das SCI-camp mit den Vorbereitungen zu den Bauarbeiten für den Weg zum ehemaligen Zeltstandort, indem es das ganze Gelände von Bewuchs befreite. Der deutsch-französische Fernsehsender ARTE begleitete das Camp zwei Tage lang, um (v.a. mit Fokus auf die französische Teilnehmerin) die Arbeit der Gruppe zu dokumentieren. Das war eine große Aufregung und eine positive Erfahrung für alle Beteiligten und hat der Gruppe auch noch einmal gezeigt, dass ihre Arbeit wahrgenommen wird. Einzig das Arbeitsergebnis der zwei Tage mit dem Fernsehteam war eingeschränkt. Auch SCI verbrachte einen Tag mit der Überlebenden Eva Fejer und war ebenfalls am Treffen mit dem Bürgermeister beteiligt, beides im Beisein des Fernsehteams. 

 

FrauenLesbenTransgender | Das FLT-Camp bestand aus 25 Frauen aus Deutschland, Österreich und Israel, die vom 1.8. bis zum 15.8. zusammenkamen. Die Gruppe war wieder, wie in den letzten Jahren, in Himmelpfort untergebracht und beschäftigte sich mit der Instandhaltung und Fortsetzung der Kennzeichnung und Gestaltung des Geländes des ehemaligen „Jugendkonzentrationslagers Uckermark“. Dort wurden von den Nationalsozialisten zwischen 1941 und 1944 ungefähr 1000 Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 – 21 Jahren eingesperrt und zu Zwangsarbeit gezwungen. Da es sich ungefähr einen Kilometer in Richtung Himmelpfort von der Gedenkstätte entfernt befindet, waren die Teilnehmerinnen des FLT-Camps weitgehend selbstständig tätig und nur selten in der Gedenkstätte. Die Gedenkstätte unterstütze sie allerdings mit Material und Computerzugang. Des weiteren verbrachte die FLT-Gruppe ebenfalls einen Tag mit Eva Fejer, wobei sie einerseits mit ihr an dem ehemaligen Zeltstandort war und sich mit ihr angeregt unterhielt, und sie andererseits nach Himmelpfort zu einer Bootsfahrt mitnahm. Auch kamen die Frauen des FLT- Camps zur Buchpräsentation von Menachem Kallus.

 

VJF | Die TeilnehmerInnen des VJF-Workcamps waren vom 2.8. bis zum 18.8. in der Gedenkstätte vor Ort. Auch sie waren in der Jugendherberge Ravensbrück untergebracht. Die Zusammensetzung der Gruppe war mit TeilnehmerInnenn aus Peru, Japan, Südkorea, Kanada, Spanien, Kroatien, Frankreich, Ungarn, Russland und Tschechien noch internationaler zusammengesetzt als die anderen Gruppen. Die Gruppe hat die Hauptarbeit am Weg zum ehem. Zeltstandort vollbracht. Nachdem das Recycling-Material zum Auffüllen des Weges angekommen war, sägten sie Baumstämme für die Begrenzung und die Geländerkonstruktion zurecht und brachten sie in Position. Daraufhin verteilten und plätteten sie das Füllmaterial gleichmäßig. Daneben arbeitete ein Teil der Gruppe auch im Archiv. Die VJF-Gruppe kümmerte sich ebenfalls einen Tag  lang um Eva Fejer und traf mit dem israelischen Überlebenden Menachem Kallus zusammen. Besonders diese Zusammenkünfte mit den Überlebenden wurden von den TeilnehmerInnen sehr geschätzt.

Bericht: Julius Herm

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