Pädagogische Dienste | 5. Generationenforum online
»Die Zukunft der Erinnerung« | 5. Ravensbrücker Generationenforum
Alljährlich findet in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück seit 2005 das »Ravensbrücker Generationenforum« statt. In einer drei- bis viertägigen Jugendbegegnung treffen Jugendliche mit Ravensbrück-Überlebenden zusammen. Die Veranstaltung wird gemeinsam von der Dr. Hildegard Hansche Stiftung und den Pädagogischen Diensten der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück realisier und von der Stiftung » Erinnerung, Verantwortung, Zukunft« unterstützt.

Von Freitag, den 21. August bis Montag, den 24. August 2009, fand in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück das »Ravensbrücker Generationenforum« statt, bei dem rund 40 Jugendliche aus Deutschland und den Niederlanden mit Überlebenden des Frauen-KZ Ravensbrück zusammenkamen. Das Generationenforum wurde zum 5. Mal von der Dr. Hildegard Hansche Stiftung und der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück veranstaltet. Unter dem Titel »Die Zukunft der Erinnerung« standen intensive Gespräche der Jugendlichen mit Überlebenden auf dem Programm, die als Kinder oder Jugendliche im KZ Ravensbrück inhaftiert waren. Die Psychologin Batsheva Dagan (Jahrgang 1925) aus Israel, die Psychoanalytikerin Dr. Margit Rustow (Jahrgang 1925) aus den USA, Dr. Eva Bäckerova (Jahrgang 1940) und Professor Peter Havaš (1935) aus der Slowakischen Republik sowie Galina Gisbrecht (Jahrgang 1939) aus Weißrussland standen den Jugendlichen Rede und Antwort. Frau Dagan wurde von ihrem Enkel Yanif und Frau Gisbrecht von ihrer Tochter begleitet. Aus gesundheitlichen Gründen musste die niederländische Überlebende Mieke van den Burger-Steensma absagen, deren Tochter, Schwiegersohn und Enkel aber teilnahmen. Die Überlebenden und die Jugendlichen hatten in dem viertägigen Programm Gelegenheit zu intensiven Begegnungen und Gesprächen, die von einer Arbeitsgruppe auf der Website der Gedenkstätte dokumentiert werden. Gemeinsam überlegten sie, wie sie die »Zukunft der Erinnerung« gestalten wollen. Darüber hinaus gab es thematische Angebote für die TeilnehmerInnen, die die Geschehnisse am Ort des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück aus verschiedenen Blickwinkeln näher beleuchteten, unter anderem zu den Themen »Kinder in Ravensbrück«, »Aufseherinnen« und »Fürstenberg und das KZ«. Sie sahen den Film »Was bleibt« (D 2008) und diskutierten mit der Filmemacherin Gesa Knolle. Nach dem Programm in Ravensbrück verbrachten die niederländischen TeilnehmerInnen und acht PreisträgerInnen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten sowie die Überlebenden noch zwei Tage gemeinsam in Berlin. Sie besuchten das Bundespräsidialamt und das Schloss Bellevue, wo sie mit Mitarbeiterinnen des Bundespräsidenten über ihre Eindrücke vom Generationenforum sprachen und im Bundestag von dem Präsidenten des Landesverbands Berlin-Brandenburg des Deutschen Jugendherbergswerks, Steffen Reiche (MdB), begrüßt wurden. Das diesjährige Generationenforum wurde von der Dr. Hildegard Hansche Stiftung finanziert und von der Körber-Stiftung, der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung, Zukunft«, dem Landesverband Berlin-Brandenburg des Deutschen Jugendherbergswerks sowie der niederländischen Gedenkstätte Herinneringscentrum Kamp Westerbork unterstützt.
Inhalt | Kurzporträts der beteiligten Überlebenden | Videodokumentation | Die Videogruppe stellt sich vor | Kraft (Tim Dries) | Ich bin hungrig (Ayten Makiolla) | Wann ist dies hier bloß vorbei? (Fatima Oppong ) | Reaktionen aus Oerlinghausen
Kurzporträts der beteiligten Überlebenden
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Eva Bäckerova, wurde 1940 als Eva Herskovits geboren. Mit ihrer Schwester Magdalena Herskovits (1941-1945) und ihren Eltern und Grosseltern lebte sie in Kezmarok, einer kleinen Stadt in der Hohen Tatra in der Slowakei. Die Großeltern wurden in Mai 1942 nach Polen deportiert und sind wahrscheinlich in Sobibor ermordet worden. Familie Herskovits lebte zu diesem Zeitpunkt bereits in einem Versteck in der Hohen Tatra. Eva war bei einer Familie untergebracht und die Eltern hielten sich mit der kleinen Magda an einem anderen Ort versteckt. Etwa im September 1944 haben die Eltern Eva zu sich ins Versteck geholt. Am 6. Dezember 1944 denunzierte eine Frau die untergetauchte Familie, die von der Gestapo verhaftet und nach Kezmarok ins Gefängnis gebracht wurde. Der Vater wurde nach Mauthausen verschleppt, wo er starb; die Mutter und die zwei Töchter – damals drei und vier Jahre alt – wurden am 13. Dezember nach Ravensbrück deportiert. Tochter Magdalena starb in Ravensbrück. Am 9. März 1945 wurde Eva zusammen mit ihrer Mutter nach Bergen-Belsen gebracht, wo beide die Befreiung erlebten. 2007 nahm sie erstmals am 3. Ravensbrücker Generationenforum teil.
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Batsheva
Dagan wurde 1925 als Isabella
Rubinstein in der Stadt Łódź
in Polen geboren. Ihre Familie war jüdisch und sie hatte acht Geschwister. Als
die Nazis Polen besetzten, floh sie mit ihren Eltern und zwei Schwestern nach
Radom. Dort errichteten die Deutschen 1941 ein Ghetto für die jüdische Bevölkerung,
in dem auch ein Teil der Familie Rubinstein eingesperrt wurde. Batshevas älteren
Brüdern und einer Schwester gelang es nach Russland zu fliehen. Ihre jüngste
Schwester wurde erschossen, als sie versuchte aus dem Ghetto zu entkommen. Bei der Räumung des Radomer Ghettos 1942 wurden
Batshevas Eltern und die ältere Schwester in das Vernichtungslager Treblinka
gebracht und dort ermordet. Sie selbst entkam der Deportation mit gefälschten
Papieren, auf denen sie nicht jüdisch, sondern »arisch« war.
Zwangsverpflichtet gelangte sie als Dienstmädchen in das Haus einer
nationalsozialistischen Familie im mecklenburgischen Schwerin. Nachdem irgendwer
sie dort verraten hatte, wurde sie von der Gestapo verhaftet und nach
Aufenthalten in mehreren Haftanstalten im Mai 1943 nach Auschwitz-Birkenau
deportiert. Zu diesem Zeitpunkt war sie gerade 18 Jahre alt. 20 Monate lang
musste sie in Auschwitz hart arbeiten und mit ansehen, wie Tausende von Frauen,
Männern und Kindern in den Gaskammern umgebracht wurden. Als
sich im Januar 1945 die russische Armee Auschwitz näherte, wurde Batsheva
zusammen mit Tausenden von Häftlingen auf einen Todesmarsch Richtung Westen
getrieben. Drei Tage und drei Nächte musste sie laufen, bis sie schließlich
mit anderen Häftlingen auf Viehwaggons geladen und nach Ravensbrück gebracht
wurde. Von Ravensbrück aus brachte man sie schon bald ins Außenlager Malchow.
Ende April 1945 wurde sie von dort wieder mit einer Gruppe Frauen zu Fuß
weitergetrieben, bis sie schließlich am 2. Mai 1945 bei der Stadt Lübz von
britischen Soldaten befreit wurde. Nach ihrer Befreiung ging Batsheva zuerst
nach Belgien, vier Monate später nach Palästina. In Israel hat sie geheiratet
und zwei Söhne bekommen. Inzwischen ist sie Großmutter von 10 Enkeln. Sie ist die Einzige, die von ihrer Familie unter deutscher Besatzung überlebt hat. Batsheva ist seit dem 1. Ravensbrücker Generationenforum (2005) dabei.
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Peter Havaš (Jahrgang 1935) stammt aus der Slowakei und wurde im November 1944 zusammen mit seinem Großvater Eugen Heuberger (1884-1965) und seiner Mutter Lilly (1911-2002) in das KZ Ravensbrück deportiert. Im Zuge der Auflösung des Lagers wurde Peter Havaš im April 1945 in das KZ-Außenlager Wöbbelin bei Ludwigslust verlegt. Am 2. Mai 1945 wurden die Häftlinge dort von Einheiten der US-Armee befreit. 2007 nahm er erstmals am 3. Ravensbrücker Generationenforum teil. |
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Galina
Gisbrecht
wurde am 1939 als Galina Kabanova als jüngstes von vier
Geschwistern in der Nähe von Witebsk in Weißrussland geboren. Ihr Vater
und zwei ihrer Brüder kämpften bei den Partisanen. Sie wurden von
deutschen Soldaten im Zuge einer Vergeltungsaktion erschossen. Der
älteste Bruder kämpfte in der Roten Armee. Galina wurde mit ihrer Mutter im
September 1943 nach Auschwitz verschleppt, weil sie Angehörige von Partisanen
waren. Als vierjähriges Mädchen
wurde ihr die Nummer 61522 eintätowiert. Im
Dezember 1943 starb die Mutter in Auschwitz
und Galina blieb ganz allein im Lager zurück. Bei der Evakuierung des
Lagers wurde Galina mit zehn anderen Kindern von Kommandeuren der Roten Armee
und Partisanen nach Ravensbrück gebracht, wo sie im Januar 1945 ankamen. Hier
nahmen sich sowjetische kriegsgefangene Frauen der Kinder an. Galina fand eine
Lagermutter, Maria Petruschina, die sich auch nach der Befreiung um sie kümmerte
und sie adoptierte. Die gesundheitlichen Folgen der Inhaftierung in
Auschwitz und Ravensbrück – eine Knochen- und eine Lungentuberkulose –
konnten erst 1952 nach langwieriger Behandlung geheilt werden. Ihren
ältesten Bruder, der den Krieg ebenfalls überlebte, fand Galina 1956 nur durch
einen Zufall wieder.
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Margrit Rustow wurde 1925 in Frankfurt/Main als Margrit (Marguerite) Wreschner geboren. Sie wuchs mit ihrer Schwester Charlotte in einer orthodoxen jüdischen Mittelklasse-Familie auf. Die Eltern waren bei ihrer Eheschließung schon älter und waren bereits vorher mit anderen Partnern verheiratet gewesen. Margrit hat aus beiden Ehen Halbbrüder und -schwestern. Ihr Vater ist Kaufmann in einer Im- und Export-Firma, in deren Geschäftsführung er bald Partner wird. In Margrits Erziehung spielen Bildung und die Hilfe für Arme und gesellschaftlich Schwächere eine große Bedeutung. Als Neunjährige zieht Margrit mit ihren Eltern und ihrer Schwester Charlotte aus Frankfurt nach Amsterdam, wo ihr Vater schon bald verstirbt. Einigen Familienmitgliedern gelingt noch die Flucht in die USA und nach Kanada. Margrit, ihre Schwester Charlotte und ihre Mutter Friederike (geb. Klaber, * 15. August 1888 in Ödenburg / Sopron) bleiben mit der Familie eines Bruders zurück. 1940 werden die Niederlande von den Deutschen besetzt. Am 25. November 1943 werden Margrit, Charlotte und ihre Mutter nach einer kurzen Zeit in einem Versteck festgenommen und sie werden in das »Durchgangslager« Westerbork gebracht. Am 5. Februar 1944 verlassen sie mit einem Transport die Niederlande – Richtung Ravensbrück. Hier musste Margrit Zwangsarbeit im »Siemenslager« leisten. In Ravensbrück stirbt Mutter Friederike Wreschner am 8. Januar 1945. Ihre Töchter werden kurze Zeit später in das Getto Theresienstadt deportiert. Nach ihrer Befreiung im Mai 1945 schlagen sich Margrit und Charlotte erst nach Prag und dann nach Amsterdam durch. Da sie wegen der ungarischen Herkunft ihrer Mutter von den deutschen Besatzern auch als ungarische Juden gesehen wurden, hatten die Deutschen ihre Wohnung nach der Deportation nicht leer geräumt – als sie hineintraten, fanden sie noch den gedeckten Frühstückstisch vor, wie sie ihn Monate vorher verlassen hatten. Bald ist das Haus ein Anlauf- und Treffpunkt für Angehörige und Freunde die aus den Lagern der Deutschen zurückkehren. 1945 erhält Margrit Stipendium für ein Studium in der Schweiz. Danach arbeitet sie mit jüdischen Kriegswaisen, die selber im Versteck oder die Zeit im Lager überlebt haben, deren Eltern aber nicht zurückkehrten. Zwei Jahre später zog Margrit mit Charlotte zu einer weiteren Schwester in die USA. Sie arbeitet weiter mit Kindern, abends studiert sie. Als Israel gegründet wird, beschließen Margrit und Charlotte, dorthin zu gehen, Margrit kehrt aber schließlich zurück nach New York, um ihr Studium fortzusetzen. Charlotte bleibt in Israel und wird später Vize-Bürgermeisterin von Jerusalem. Margrit kommt in ihrer Arbeit mit Kindern mit der Psychoanalyse in Berührung – sie wird selber Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin. Margrit Wreschner heiratet den Soziologen Dankwart Rustow und unterstützt ihn bei der Erziehung seiner Kinder. Heute arbeitet sie für das »NGO Committee on Mental Health« zu »Refugees, Immigrants and Mental Health«. Für Margrit Rustow ist das 5. Ravensbrücker Generationenforum das erste, an dem sie teilnimmt. |
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21. August 2009 | Ankommen, Kennenlernen, Einfinden Mit dem Zug, mit dem Auto, alleine oder mit einer Gruppe – bis zum Mittag fanden sich die letzten von uns Teilnehmern ein, einer bunten Truppe von 14 bis über 80, aus allen Teilen Deutschlands sowie aus den Niederlanden. Bevor der offizielle Startschuss für das 5. Ravensbrücker Generationentreffen fiel, wurden wir erst einmal über das Gelände der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück geführt. Die Zeit lief davon und schon stand der nächste große Punkt auf der Tagesordnung: die Begrüßung. Das übernahm Matthias Heyl, Leiter der Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Wir hatten Gelegenheit, uns gegenseitig und die vielen helfenden Hände kennen zu lernen – um das Kennenlern-Spiel kam niemand herum – aber auch die teilnehmenden Überlebenden Batsheva Dagan, Dr. Margit Rustow, Dr. Eva Bäckerova, Professor Peter Havaš und Galina Gisbrecht wurden uns im Plenum nacheinander vorgestellt. Der Rahmen für die kommenden Tage wurde abgesteckt und unsere Videogruppe konnte endlich die Arbeit richtig aufnehmen. Am Abend gab es schließlich mehrere Möglichkeiten miteinander etwas zu unternehmen und ins Gespräch zu kommen – ob durch die Vorführung eines Films, Tischtennis oder einfach nur beieinander sitzen. Allzu lang ließ es aber wohl niemand werden, denn das Programm des zweiten Tages verhieß nämlich, spannend und anspruchsvoll zu werden. Wir freuen uns darauf, Euch aus unserer Perspektive – und auch der der anderen Teilnehmer – in den kommenden Tagen zeigen zu können, was hier im Generationenforum passiert ist und Euch die O-Töne zu präsentieren. |
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Dieses Video ist ein Vorstellungsfilm der Videogruppe. Um das Video anschauen zu können, benötigen Sie den Windows Media Player oder ein anderes ein Add-In / Plug-In für Ihren Browser, das Filme im WMV-Format lesen kann. |
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22. August 2009 | Gespräche mit den Überlebenden, »Was bleibt« |
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23. August 2009 | Gespräche mit den Überlebenden, Kaffenkahnfahrt |
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Film folgt... |
24. August 2009 | »Als Kind in Ravensbrück«, »Leben nach dem Überleben« |
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25. August 2009 | Schloss Bellevue |
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Der vorletzte Tag des erweiterten Berlin-Programms war dem Besuch des Bundespräsidialamtes und von Schloss Bellevue gewidmet, wo die Gruppe die Überlebenden, die Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten und die niederländischen TeilnehmerInnen von Anne von Fallois begrüßt wurden, die den Bundespräsidenten zu Fragen der Bildung berät. Am Nachmittag besuchten die Jugendlichen mit Eva Bäckerova, Batsheva Dagan und Margrit Rustow die Ausstellung »Stille Helden«, die Blindenwerkstatt Otto Weidt und das Anne-Frank-Zentrum, wo sie sehr spontan von dessen Geschäftsführer, Thomas Heppener, und seinem Mitarbeiter Patrick Siegele begrüßt wurden. |
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26. August 2009 | Bundestag im Reichstagsgebäude |
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Am letzten Tag des erweiterten Berlin-Programms besuchten die niederländischen TeilnehmerInnen und die Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten den Bundestag. Im Reichstagsgebäude wurden sie von Steffen Reiche begrüßt, der Mitglied des Bundestages und Präsident des Landesverbands Berlin-Brandenburg des Deutschen Jugendherbergswerkes ist. Das Foto zeigt Eva Bäckerova, Batsheva Dagan und Margrit Rustow im Kreis der Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten vor dem Brandenburger Tor. |
Die Videogruppe stellt sich vor
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Jallaleddin
Sememy | Ich bin 21 Jahre
alt. Ich komme ursprünglich aus dem Iran und lebe seit fünf Jahren in
Deutschland. |
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Johannes Sägert | In Kürze lässt sich über mich sagen, dass ich 20 Jahre alt und angehender Chemiestudent aus Cottbus bin. Vom Generationenforum erhoffe ich mir zum einen, nette Leute aus den verschiedensten Ecken der Welt kennen zu lernen. Zum anderen eröffnen sich für mich besonders durch die interessanten und aufklärenden Gespräche mit den Zeitzeugen neue Horizonte. Dazu hatte ich vorher noch die Gelegenheit! Meine Geschichtsauffassung und Menschenkenntnis in den unterschiedlichsten Facetten wird dies sicherlich bereichern. |
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Larissa Niemann | 17 Jahre alt, Schülerin des Gymnasiums in Oerlinghausen bei Bielefeld: Hallo, ich bin schon zum 3. Mal hier. Beim ersten Mal war es eine Klassenfahrt, dann wurde ich zum Generationenforum eingeladen. Ich komme gerne hierher, weil man jedes Mal ein Stück Vergangenheit für sich selbst aufnimmt und verarbeitet. Ich habe hier gelernt, wie wichtig und entscheidend die Menschenwürde ist. |
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Pia Seidel | 14 Jahre alt, Schülerin des Albert-Einstein-Gymnasiums aus Potsdam: Hallo, am Generationenforum nehme ich zum ersten Mal teil. In der Mahn- und Gedenkstädte Ravensbrück bin ich schon zum zweiten Mal. Ich bin hier, weil ich mich sehr für die Geschichte und besonders für den 2. Weltkrieg und seine ganze Komplexität interessiere. Ich freue mich sehr, ein Teil des Video-Teams zu sein und regelmäßig vom Generationenforum zu berichten. |
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Sinah
Düning | 18
Jahre, Schülerin des Niklas Luhmann Gymnasium, aus Bielefeld
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Vanessa
Kagelmacher | Ich
bin 15 Jahre alt, komme aus Potsdam und gehe auf das
Hermann-von-Helmholtz-Gymnasium. |
Kraft | Tim Dries
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Tim Dries | Der Enkel von Mieke van den Burger Steensma, die leider aus gesundheitlichen Gründen nicht am diesjährigen Generationenforum teilnehmen konnte, war bereits Ende April, Anfang Mai 2009 in der Gedenkstätte Ravensbrück gewesen. Damals hatte er ein Gedicht geschrieben, das er im Niederländischen mit dem Wort »Kracht«, also »Kraft«, überschrieben hatte. Tim hat während des Generationenforums das Gedicht in deutsche und englische Sprache übersetzt und zum Ende der Veranstaltung vorgetragen. |
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Kraft welch
eine Kraft nach
all den Jahren welch
eine Kraft sogar
jetzt noch jeder
Morgen dankbar noch
leben zu können jeder
Morgen dankbar gleich
nach allen Jahren jeden
Tag die Kraft zu haben so
leben zu können jeden
Tag die Kraft zu haben immer
fort zu fahren welch
eine Kraft nach
allen Jahren welch
eine Kraft sogar
jetzt noch trotz
allem immer
leben trotz
allem nicht
vergessen |
Kracht |
Strength
see
their strength after
all those years see
their strength even
now thankful
every morning to
be still alive thankful
every morning after
all those years every
day in strength to
live their own lives every
day in strength to
live one more see
their strength after
all those years see
their strength even
now despite
it all still
alive despite it all still remembering |
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Den Überlebenden des KZ Ravensbrück und anderer Konzentrationslager gewidmet, um ihre Kraft und Energie zu ehren, die sie noch immer ausstrahlen, allen Schrecken, die sie erlebt haben, zum Trotz. |
Geschreven voor de overlevenden van KZ Ravensbrück en andere concentratiekampen, als eerbetoon aan de kracht en levensenergie die zij uitstralen, ondanks de verschrikkingen die zij hebben mee gemaakt. |
Written for the survivors of KZ Ravensbrück and other concentration camps, to honour the strength and energy they still have, despite the cruelties they have suffered. (Translation from Dutch to English by the writer)
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ICH BIN HUNGRIG | Ayten Makiolla ich
bin hungrig
ich
habe ja gesagt, ich bin hungrig
bin
hungrig, was auf der Welt alles so passiert
ich habe Hunger, einen großen Hunger Hunger
auf das Lächeln von Kindern
Ich
sage ja, ich bin hungrig
ich bin hungrig
ich
darf nicht mehr hungern gewidmet den Verstorbenen und den Überlebenden des KZ Ravensbrück, und ganz besonders Batsheva Dagan, die mich zu diesem Gedicht inspiriert hat – August 2009
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Wann
ist dies hier bloß vorbei? | Fatima
Oppong Wenn
die Winde über unsere kahl rasierten Köpfe wehen und
wir alle hier um Essen flehen dann
weiß ich über alles Bescheid denn
jetzt kommt eine harte Zeit Wir
schlafen hier auf Bett zu viert verstehen
uns nicht und meckern viel denn
sprachlich klappt es irgendwie nicht wir
machen Mimik mit Gesicht Wann
hört dies Schrecksal bloß hier auf die
Suppen warm mit Schalen zum
Haare waschen oder essen verbraucht doch
jeder hungert was für ne Plage Nun
nimmt das Schicksal seinen Lauf manche
von uns steigen zum Himmel hinauf doch
das Leben ging weiter mit Schreck und Graus Doch
bald schon bald da war noch Licht öffnet
sich das Tor mit Glücksgesicht wir
rennen raus und freuen uns sehr und
rufen laut: ab heute wollen wir frei sein wie
die Menschen vor uns auch gewidmet den Verstorbenen und den Überlebenden des KZ Ravensbrück, und
ganz besonders Batsheva Dagan, die mich zu diesem Gedicht inspiriert hat
– August 2009 |
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Amelie Külker | Mir hat das Generationenforum sehr gut gefallen. Ich war schon mehrere Male in Ravensbrück (Klassenausflug, Generationenforum), und konnte wieder viele neue Eindrücke sammeln. Ich finde es sehr wichtig und wertvoll für die jüngeren Generationen, dass solche Treffen stattfinden. So kann man über Gespräche mit den Überlebenden ihr individuelles Schicksal erfahren. Dies hinterlässt bleibende Eindrücke und ist wirkungsvoller, als nur die Erkundung des Themas durch Bücher. Sehr gut gefallen hat mir, dass es mehrere verschiedene Angebote gab, so dass man zwischenzeitig auch Zeit hatte, um die Gedenkstätte selbst zu erkunden. Neben den Gesprächen mit den Überlebenden fand ich die Fahrradexkursion zum Mädchenkonzentrationslager und die Führung durch die Aufseherinnenausstellung sehr beeindruckend. Alles in allem waren für mich die Tage sehr beeindruckend und erlebnisreich und die Stimmung war trotz des schwierigen Themas nicht zu ernst! Mareike Jagnow | Bei dem Generationsforum hat mir sehr gefallen, dass man so viele Fragen stellen konnte, wie man wollte. Die Überlebenden waren sehr offen, was ich sehr zu schätzen weiß, da sie einem wirklich alle Fragen, die man hatte, beantwortet haben. Außerdem hat mir die Ausstellung zu den Aufseherinnen sehr gut gefallen. Die Bilder, Fotos und Texte waren sehr anschaulich und die Führung fand ich ebenfalls gelungen, da sie von der "Macherin" der Ausstellung gemacht wurde und diese sich somit mit dem Thema vielleicht noch besser auskannte, als möglicherweise eine einfache Angestellte, sie konnte auch ausschweifende Fragen zu den Familien und wie diese sich in den Interviews verhalten haben, beantworten, was als Hintergrundinformation sehr hilfreich war. … jedoch würde ich sagen, dass mir dieses Wochenende sehr sehr gut gefallen hat und ich es an alle interessierte Jugendliche weiterempfehlen würde, einmal an so einem Generationsforum teilzunehmen. Saskia
Senft
So ein Wochenende ist nicht einfach vorbei, nachdem man
den Heimweg angetreten hat. Es wirkt noch eine Weile nach und ich kann
sagen, dass es eine sehr emotionale Erfahrung für mich war, ich aber
jederzeit gerne wieder teilnehmen würde und auch anderen Jugendlichen nur
wünschen kann, dass sie ebenfalls die Chance bekommen an diesem Projekt
teilzunehmen. Es lohnt sich wirklich und man beginnt sein eigenes Leben
und Handeln zu überdenken. Melanie Siese
| Es war sehr interessant die Überlebenden zu treffen und
mit ihnen zu sprechen. Jedes einzelne Schicksal fand ich sehr bewegend und
man konnte zumindest ansatzweise eine Vorstellung davon bekommen, wie
schrecklich das Leben im Dritten Reich gewesen sein muss. Deswegen war
diese Zeit für mich auch sehr emotional und die Vergangenheit viel
eindrucksvoller als es ein Geschichtsbuch hätte vermitteln können. Außerdem
hat mir sehr gefallen, dass man zu allem Fragen stellen konnte und ich so
auch Dinge erfahren habe, die mich wirklich interessieren und die man
nicht einfach aus der Literatur lernen kann. Bei all den vielfältigen
Informationen und Eindrücken über die Umstände im KZ, fand ich jedoch
die Einstellung der Überlebenden und deren Umgang miteinander und der
Vergangenheit am beeindruckensten. Sie alle mussten ihre Erfahrungen
(teilweise auf sehr unterschiedliche Art und Weise) verarbeiten und es hat
mich sehr erstaunt wie lebensfroh und positiv diese Menschen jetzt leben
und wie fröhlich und locker sie einander behandeln. Larissa Nieman | Es ist einfach schon der Ort allein. Mir wird immer wieder klar, wie wichtig die menschliche Würde und Achtung ist, wenn ich in Ravensbrück bin. Es ist unvorstellbar, wenn man heute an diesem Ort ist und sieht, wie wichtig eigentlich unser erster Artikel des Grundgesetzes ist und wie real es hier ist und dann den Kontrast dazu nachempfindet, wenn die Überlebenden erzählen. So viele Kontraste und Gegensätze verbinden sich hier miteinander und machen alles hier zu etwas ganz Besonderem. |
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Fotos als Film Hier finden die TeilnehmerInnen des Generationenforums die Fotos von Anthea Korinth, Angie Meyer, Reinhard Bienek und Outreach|Reachina als Filme.
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