Pädagogische Dienste


Ravensbrücker Generationenforum

Alljährlich findet in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück seit 2005 das »Ravensbrücker Generationenforum« statt. In einer drei- bis viertägigen Jugendbegegnung treffen Jugendliche mit Ravensbrück-Überlebenden zusammen. Die Veranstaltung wird gemeinsam von der Dr. Hildegard Hansche Stiftung und den Pädagogischen Diensten der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück realisiert. Die Einladung der Überlebenden wird von der Stiftung » Erinnerung, Verantwortung, Zukunft« ermöglicht.

Das 10. Generationenforum wird vom 14.bis 17. August 2014 stattfinden.  Die Ravensbrück-Überlebenden Batsheva Dagan (Israel), Eva Bäckerova (Slowakei), Peter Havas (Slowakei) und Margrit Rustow (USA) haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Und  da wir zwei Jubiläen - 10 Jahre  »Ravensbrücker Generationenforum« und 20 Jahre Dr. Hildegard Hansche Stiftung - begehen dürfen, möchten wir auch Teilnehmer_innen der vergangenen Generationenforen herzlich einladen, teilzunehmen. Am Samstag, den 16. August, möchten wir mit allen feiern, die Batsheva, Eva, Margrit und Peter wiedersehen möchten.

Interessierte Jugendliche, die mitmachen möchten, können ihr Interesse unter paedagogik@ravensbrueck.de bekunden.

 


Sie finden hier 


1. Ravensbrücker Generationenforum (2005)

Vom 13. bis 15. April 2005 trafen in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück Jugendliche aus verschiedenen Jugendverbänden und -Vereinen aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit den Ravensbrück-Überlebenden Anika Bremell (Göteborg, Schweden), Agnes Bartha (Budapest, Ungarn), Batsheva Dagan (Holon, Israel) und Lisl Jäger (Berlin) zusammen. Die Überlebenden berichteten aus ihrem Leben, diskutierten mit den Jugendlichen, gaben Radio- und Videointerviews, hörten gemeinsam Vorträge - und verbrachten auch Zeit miteinander außerhalb des geplanten Programms. Die Generationen tauschten Erfahrungen, Emotionen und Wissen aus. Die Jugendlichen waren besonders von Begegnung mit den Überlebenden beeindruckt.

 Anika Bremell


2. Ravensbrücker Generationenforum (2006)

Am 2. Ravensbrücker Generationenforum vom 9. bis 12. April 2006 nahmen wiederum Agnes Bartha (Ungarn), Batsheva Dagan ( Israel) und Lisl Jäger (Berlin) teil und gaben bereitwillig ihre Erfahrungen weiter. »Hass und Überleben« - diese Begriffe waren thematisches Zentrum des von interessierten Jugendlichen unter medienpädagogischer Anleitung von waidak |  mediaktiv erstellten Films. In ihm wurde eine Vielzahl von Interviews mit überlebenden Häftlingen des Frauen-KZ Ravensbrück aus der Sammlung lebensgeschichtlicher Interviews von Loretta Walz ausgewertet, zielgerichtet Interviews mit den anwesenden Überlebenden geführt und Teilnehmer des Generationenforums zur Thematik befragt. Sie interessierte vor allem, wie sich die Gefühle von Hass und Rache - sofern vorhanden - im Laufe der Zeit verändert haben. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein offener Brief von Batsheva Dagan, den sie kurz nach ihrer Befreiung an die Aufseherin Irma Grese geschrieben hatte und der damals in zahlreichen internationalen Zeitungen abgedruckt wurde. Hierin forderte sie eine Bestrafung und wünschte, dass Grese ebenso erniedrigt, gedemütigt und geschlagen würde, wie sie es mit den Häftlingen getan hatte. Gut 60 Jahre später, im Interview mit den Jugendlichen wird klar, wie fern ihr diese Haltung mittlerweile ist. Batsheva Dagan erzählt von ihren eigenen Erkenntnisprozessen - »...wie leicht es ist, Hass und Rache einzuprägen und so schwer Liebe und Respekt für den Anderen.«

Batsheva Dagan


3. Ravensbrücker Generationenforum (2007)

Vom 10. - 13. August 2007 fand das »3. Ravensbrücker Generationenforum« mit den Überlebenden Dr. Eva Bäckerova und Prof. Peter Havas (Slowakei), Batsheva Dagan (Israel), Lisl Jäger und etwa 40 Jugendlichen aus Brandenburg und Berlin statt. Das Programm bot Gelegenheit für vertrauensvolle Gespräche der Jugendlichen in kleinen Gruppen mit »ihren« Überlebenden als auch Möglichkeiten, sie im Plenum und auch in individuellen Gesprächen kennen zu lernen. Darüber hinaus konnten sich die Jugendlichen an einer von drei Arbeitsgruppen beteiligen: einer Filmgruppe, die unter medienpädagogischer Anleitung von waidak |  mediaktiv Videointerviews mit Eva Bäckerova und Peter Havas realisierte und auch Recherchen zu den spezifischen Bedingungen des Lebens und Überlebens von Kindern in Ravensbrück machte. Es entstand der Film »innen drin, irgendwo, ist eine Narbe geblieben«; der AG »Gedichte und Musik als Selbstbehauptung im KZ«, die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung in einer künstlerischen Darbietung den anderen Teilnehmern vorstellte; der AG »Kunst als Zeugnis«, die sich vor allem mit im KZ entstandenen Zeichnungen beschäftigte und die Ergebnis ihrer Auseinandersetzung in einem Plakat präsentierte. Von in der Medienarbeit aktiven Jugendlichen wurde das Forum medial begleitet und in einer zweistündigen Sendung live im Berliner Offenen Kanal aus Ravensbrück gesendet.

Peter Havas und Eva Bäckerova


4. Ravensbrücker Generationenforum (2008)

Im »4. Ravensbrücker Generationenforum« vom 18. bis 21. Juli 2008 trafen deutsche und slowakische Jugendliche mit den Ravensbrück-Überlebenden Dr. Eva Bäckerova, Batsheva Dagan und Galina Giesbrecht, die aus Weißrussland angereist war, zusammen. Neben den traditionellen Gesprächen in kleinen Gruppen mit den Überlebenden gab es vielfältige Möglichkeiten, sich mit dem Ort des ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück auseinander zu setzen. So wurden Führungen durch die Ausstellungen »Jüdische Häftlinge in Ravensbrück« und durch die ständige Ausstellung zu den SS-Aufseherinnen in Ravensbrück, durch die Kuratorin beider stand“. Bei einer Fahrradtour ging es zum Gelände des ehemaligen »Jugendschutzlager« Uckermark und im Rahmen einer Bootsfahrt auf den Fürstenberger Seen wurde über »Fürstenberg und das KZ« diskutiert. Ergebnis des Generationenforums war auch eine DVD unter von waidak | mediaktiv mit dem Titel »Mit allen Augen haben wir den Tod gesehen...« mit einem Interview mit Galina Gisbrecht in russischer Sprache mit Untertiteln. Es steht, wie die vorhergehenden für die pädagogische Arbeit zur Verfügung.


5. Ravensbrücker Generationenforum (2009)

Im »5. Ravensbrücker Generationenforum« trafen vom 21. bis 24. August 2009 etwa vierzig deutsche und niederländische Jugendliche und junge Erwachsene mit den Überlebenden Dr. Eva Bäckerova und Prof. Peter Havas (slowakische Republik), Batsheva Dagan (Israel), Galina Giesbrecht (Weißrussland) und Dr. Margrit Wreschner Rustow (USA) zusammen. Mieke van den Burger-Steensma (Niederlande) musste leider aus gesundheitlichen Gründen ihre Teilnahme absagen, es kamen aber ihre Tochter, ihr Schwiegersohn und ihr Enkel. Für die niederländischen Partner und für deutsche TeilnehmerInnen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten der Körber-Stiftung, Hamburg, schloss sich ein zweitägiges Berlin-Programm mit Besuch des Schloss Bellevue und ein Gespräch mit Mitarbeitern des Bundespräsidenten sowie ein Besuch des Deutschen Bundestags im Reichstagsgebäude an. | Das Forum wurde mit Beginn von TeilnehmerInnen online hier dokumentiert...

Mieke van den Burger-Steensma


6. Ravensbrücker Generationenforum (2010)

Zum »6. Ravensbrücker Generationenforum« trafen vom sich 13. bis 18. August 2010 etwa vierzig deutsche und slowakische Jugendliche und junge Erwachsene mit den Überlebenden Dr. Eva Bäckerova und Prof. Peter Havas (slowakische Republik), Batsheva Dagan (Israel), Galina Giesbrecht (Weißrussland) und Dr. Margrit Wreschner Rustow (USA) zusammen. Für die slowakischen und Dresdner TeilnehmerInnen schloss sich ein zweitägiges Berlin-Programm an. | Das Forum wird hier online dokumentiert...


7. »Ravensbrücker Generationenforum« (2011)

Das »7. Ravensbrücker Generationenforum« fand vom 11. bis 14. August 2011 in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück statt. Es nahmen wieder die Ravensbrück-Überlebenden Batsheva Dagan (Israel), Eva Bäckerova (Slowakei), Peter Havas (Slowakei) und Margrit Rustow (USA) teil.

Das Programm bot vielfältige Möglichkeiten einer intensiven Begegnung mit den Überlebenden und der Auseinandersetzung mit dem historischen Ort des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück.


8. »Ravensbrücker Generationenforum« (2012)

Das »8. Ravensbrücker Generationenforum« fand vom 28. bis 31. Juli 2012 in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück statt. Die Ravensbrück-Überlebenden Batsheva Dagan (Israel), Eva Bäckerova (Slowakei), Peter Havas (Slowakei) und Margrit Rustow (USA)  waren wieder dabei.

 

 


9. »Ravensbrücker Generationenforum« (2013)

Vom 30. Juli bis 6. August 2013 fand das 9. Ravensbrücker Generationenforum statt. Es unterschied sich ganz wesentlich von den Begegnungen der Vorjahre, zu denen in der Regel vier Ravensbrück-Überlebende und bis 50 Jugendliche für vier Tage für ein umfangreiches Programm, das in Zusammenarbeit mit der Dr. Hildegard Hansche Stiftung entwickelt wurde, nach Ravensbrück eingeladen worden waren. Die Ravensbrück-Überlebende Galina Gisbrecht, die 1939 in Weißrussland geboren wurde, war im September 1943 nach Auschwitz deportiert worden, nachdem ihr Vater und zwei Brüder von den deutschen Besatzern als »Partisanen« erschossen worden waren. Im Dezember 1943 starb ihre Mutter in Auschwitz. Im Januar 1945 erreichte sie mit einem Transport sowjetischer Kinder Ravensbrück, wo sich sowjetische Frauen der Kinder annahmen. Galina, die 2008, 2009 und 2010 am Generationenforum teilgenommen hatte, hatte sich gewünscht, in ähnlich beschützter Form einmal nach Auschwitz zu fahren. Da Nachfragen in der dortigen Gedenkstätte und in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte ergeben hatten, dass es dort kein ähnliches Veranstaltungsformat, entschloss sich die Hansche Stiftung, das »Ravensbrücker Generationenforum« mit Galina Gisbrecht »on tour« gehen zu lassen. Dafür warb sie bei den Ravensbrück-Überlebenden Dr. Eva Bäckerova, Dipl. Psych. Batsheva Dagan, Prof. Dr. Peter Havas und Dr. Margrit Rustow um Verständnis, die die Generationenforen der vergangenen Jahre mitgestaltet hatten. Am 30. Juli begann das Generationenforum mit insgesamt 22 Teilnehmenden, darunter Schüler_innen und Absolvent_inn_en des Niklas-Luhmann-Gymnasiums aus Bad Oerlinghausen um ihren Lehrer Reinhard Bienek, die FSJlerinnen Larissa Zeigerer (2011/12) und Ramona Leutschaft (2012/13) sowie der österreichische Gedenkdiener Florian Jordan (2011/12). Am 1. August bestiegen die Teilnehmenden einen Bus nach Oświęcim, wo sie Galina Gisbrecht in die Gedenkstätten Auschwitz und Auschwitz-Birkenau begleiteten. Im Archiv erhielten sie gemeinsam Einblick in Galina betreffende Akten, und in Auschwitz-Birkenau gelang es, die Baracke auszumachen, an die sich die Überlebende nur noch vage erinnern konnte. Den Abschluss dieses sehr intensiven Projektes bildete ein Tag in Kraków, bevor es am 6. August nach Berlin zurückging. Dieses Projekt wäre ohne Unterstützung der Dr. Hildegard Hansche Stiftung und der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung, Zukunft« nicht möglich gewesen, und Lehrer Reinhard Bienek war es gelungen, eine Teilfinanzierung für die Kosten der Teilnehmenden aus Bad Oerlinghausen über eine Stiftung in Nordrhein-Westfalen zu realisieren.