Sonderausstellungen
Neben den Dauerausstellungen zeigt die Gedenkstätte immer wieder temporäre Sonderausstellungen.
2008 | jetzt als Wanderausstellung verfügbar
|
»Jüdische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück« Die Ausstellung wurde am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, dem 27. Januar 2008, eröffnet. Sie thematisiert erstmals die bislang kaum bekannte Geschichte der mehr als 15.000 jüdischen Häftlinge im KZ Ravensbrück, wo die Nationalsozialisten zwischen 1939 und 1945 insgesamt etwa 130.000 Frauen und Kinder sowie 20.000 Männer aus ganz Europa inhaftierten. Die Ausstellung veranschaulicht, dass es sich bei den jüdischen Häftlingen nicht um eine einheitliche Gruppe handelte: Die inhaftierten Frauen, Männer und Kinder wurden von den Nationalsozialisten mit verschiedenen Begründungen und zu unterschiedlichen Zeiten in das Konzentrationslager eingewiesen und kamen aus nahezu allen europäischen Ländern. Gezeigt werden mehr als 220 Gegenstände, Fotos, Dokumente und Filmausschnitte. Außerdem werden an mehreren Hörstationen 32 Biografien sowie zahlreiche Selbstzeugnisse von jüdischen Häftlingen präsentiert, die u.a. von Iris Berben gelesen werden. Ravensbrück war bis 1944 kein Zielort systematischer Deportationen der europäischen Juden. Dennoch wurden jüdische Häftlinge des KZ Ravensbrück Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, als sie 1942 in der Tötungsaktion »14 f 13« ermordet bzw. im Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert wurden. Mit dem Rückzug der Wehrmacht und der Räumung von Ghettos und Vernichtungslagern verschleppte die SS ab Spätherbst 1944 jüdische Frauen in großer Zahl nach Ravensbrück, die hier bzw. in den Außenlagern zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Insgesamt sind die Namen von etwa 15.000 jüdischen Frauen, Männern und Kindern bekannt, die als Häftlinge des KZ Ravensbrück registriert waren. 2.679 von ihnen sind nachweislich in Ravensbrück zu Tode gekommen bzw. wurden in den »Euthanasie«-Tötungsanstalten Opfer der Mordaktion »14 f 13«. Die tatsächliche Anzahl der in Ravensbrück umgekommenen jüdischen Häftlinge ist weitaus höher. »Die Sonderausstellung zur Geschichte der in Ravensbrück inhaftierten jüdischen Frauen, Männer und Kinder ist einer lange vernachlässigten Häftlingsgruppe gewidmet«, erklärte Gedenkstättenleiterin Dr. Insa Eschebach, »die in der Zeit der DDR aus ideologischen Gründen ausgeblendet wurde. Nachdem bereits Anfang der 90er Jahre im Zellenbau ein jüdischer Gedenkraum eingerichtet wurde, sind es neuere wissenschaftliche Forschungen, nicht zuletzt von israelischen Historikerinnen und Historikern, die diese Ausstellung ermöglichen. Außerdem haben uns viele Überlebende und Angehörige mit Leihgaben unterstützt. Die Geschichte der jüdischen Häftlinge wird auch in der künftigen neuen Hauptausstellung großen Raum einnehmen.« Erst im April des vergangenen Jahres war am Rande des Besuchs von Ministerpräsident Matthias Platzeck in Israel ein Verband der israelischen Ravensbrück-Überlebenden gegründet worden. Der Ministerpräsident hatte in Jerusalem eine Ausstellung der Gedenkstättenstiftung eröffnet und im Rahmen eines Empfangs Überlebende aus Ravensbrück und Sachsenhausen für ihre Arbeit als Zeitzeugen mit dem Verdienstorden ausgezeichnet. Die Ausstellung wurde durch das Bundesministerium für Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Dank der Unterstützung durch das Auswärtige Amt können drei Überlebende aus Israel, Russland und der Slowakei, die zugleich Leihgeber der Ausstellung sind, an der Eröffnungsveranstaltung teilnehmen. Die Hörstationen sind in Kooperation mit dem Projektteam »Raum der Namen« der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas entstanden. (Im Garagentrakt, 27. Januar 2008 bis 27. Januar 2009)
|
2007/2008
|
»Wege nach Ravensbrück« - Erinnerungen von österreichischen Überlebenden des Frauen- Konzentrationslagers Ravensbrück. Die Internetversion der Ausstellung finden Sie künftig unter www.wegenachravensbrueck.net/ online. Die AusstellungsmacherInnen schreiben: Entstehung | Überlebende der österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück initiierten 1998 die Idee zu einer Ausstellung über Ravensbrück und baten jüngere Frauen, dieses Vorhaben umzusetzen. Konzeption und Gestaltung übernahm ein Team von sechs Studentinnen. Zur selben Zeit führten Brigitte Halbmayr und Helga Amesberger Interviews mit Überlebenden von Ravensbrück durch, und das Team vom VideoArchiv Ravensbrück zeichnete diese auf Video auf. Für die Ausstellung konnten wir auf dieses Material zugreifen. Das Ausstellungsteam hat die Ausstellung unter großem Zeitdruck und finanziellen Engpässen hergestellt. Sie wurde dennoch 1999 in Wien zum ersten Mal gezeigt – begleitet von großem Interesse der Öffentlichkeit. Bis 2003 war sie an mehreren Orten in Österreich zu sehen, etwa in Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt, Steyr, Braunau und einigen anderen Städten. Unter dem Titel „Eine Ausstellung weiter denken“ wurde sie 2006 noch einmal in einer ergänzten Fassung gezeigt. Mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück hat die als temporär konzipierte Ausstellung ihre letzte Station erreicht. Danach wird sie nur noch im Internet nachzulesen sein. Inhalte
| Im Mittelpunkt
der Ausstellung stehen Lebensgeschichten von neun Überlebenden. Die Gründe
ihrer Inhaftierung im KZ Ravensbrück waren sehr unterschiedlich:
Leopoldine B. aufgrund eines Strafverfahrens wegen gleichgeschlechtlicher
Beziehungen, Christine Berger-Wagner als Unterstützerin von Partisanen,
Eva Gutfreud aufgrund ihrer jüdischen Eltern, Aloisia Hofinger, weil sie
einen polnischen Zwangsarbeiter liebte, Hermine Nierlich-Jursa als
kommunistische Widerstandskämpferin, Gisela Sarközi-Samer als burgenländische
Romni, Katharina Thaller als Zeugin Jehovas und Rosa Winter als Sintezza.
Ergänzt durch Dokumente sind die Lebensverläufe dieser Frauen vor und
nach der KZ-Haft nachzulesen. In einem Videofilm erzählen sie selbst von
ihren Erfahrungen im KZ Ravensbrück. Wie weiter? | In den letzten Jahren haben sich viele Überlebende aufgrund ihres hohen Alters aus dem aktiven Leben zurückgezogen, viele von ihnen sind verstorben. Das hinterlässt die nachfolgenden Generationen mit Gefühlen von Verlust, Trauer und Leere. Wie gehen wir damit um, wenn keine der Überlebenden mehr am Leben ist, um mit uns zu sprechen? Wie können wir das politische Engagement vieler Überlebender ohne ihre direkte Unterstützung weiterführen? 2005 haben Überlebende die Vereinsleitung der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück offiziell an Frauen der jüngeren Generationen übergeben. Sie haben uns eine schriftliche Präambel mitgegeben und darin einen Auftrag formuliert, wie wir ihre Arbeit in ihrem Sinn weiterführen können. Seitdem stellen sich Fragen nach der Übernahme dieses Vermächtnisses umso dringlicher. Um uns diesem Vermächtnis anzunähern, es kritisch zu würdigen und für uns zu aktualisieren, haben wir uns für diese Ausstellung die Geschichte einiger Aktivitäten der Lagergemeinschaft Ravensbrück der letzten 60 Jahre schlaglichtartig angesehen. Dabei stehen zwei der vielen Aktivitäten von Überlebenden im Zentrum: das öffentliche Erinnern an den Nationalsozialismus und die politische Arbeit. Wir laden die BesucherInnen der Ausstellung ein, sich an dieser Auseinandersetzung zu beteiligen und freuen uns sehr über Ihren Beitrag! Dieser wird nach der Laufzeit der Ausstellung auf die Homepage der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück gestellt: www.ravensbrück.at. Den Katalog zur Ausstellung von 1999 erhalten Sie in der Buchhandlung im Besucherzentrum. Projektteam 1999: Katrin Auer, Daniela Gahleitner, Sylvia Köchl, Corinna Oesch, Christa Putz & Michaela Schaurecker | Neukonzeption und Gestaltung 2007: Daniela Gahleitner, Sylvia Köchl & Christa Putz | EDV-Support & Hörstationen: Bernd Trippel | English Translation: Brita Pohl | Untertitel des Videofilms: Bernadette Dewald | Beratung: Roswitha Muttenthaler Finanziert
durch: Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des
Nationalsozialismus, Österreichisches Kulturforum Berlin www.ravensbrueck.at | © Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück und FreundInnen, Lassallestraße 40/2/6; 1020 Wien |
2007 | jetzt als Wanderausstellung verfügbar
|
»Sex-Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern« Die
Werkstattausstellung der Gedenkstätte Ravensbrück
entstand ursprünglich in Kooperation mit »Die Aussteller«, Wien und dem Institut für Kunst im Kontext, UdK
Berlin. Gezeigt werden mehr als 150 Dokumente und Fotos zum Thema Lagerbordelle. Vier Hörstationen informieren über ehemalige Sex-Zwangsarbeiterinnen und männliche Besucher der Bordelle. Einführende Tafeltexte stellen Aspekte der Thematik vor, die jeweils vier Themenbereichen zugeordnet sind. Zur vertiefenden Lektüre werden Dokumente und Texte in Ordnern und Klappbüchern angeboten, die auf Tischen installiert sind. Darüber hinaus werden in Vitrinen Dokumente und Fotos zur Geschichte der zehn Lagerbordelle gezeigt.
|
|
2007
»Lila Winkel in Ravensbrück - Zeugen Jehovas im Konzentrationslager«Eine Ausstellung von Jehovas Zeugen in Deutschland, Selters/Taunus, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, im ehemaligen Zellenbau. Eine Sonderausstellung über die Haftgruppe der Zeugen Jehovas (Bibelforscher). Eine größere Gruppe von Zeuginnen Jehovas kam 1939 vom KZ Lichtenburg in das neu eröffnete Frauen-KZ Ravensbrück. Sie gehörten zu den ersten in Ravensbrück registrierten Frauenhäftlingen. Im Zellenbau waren im Winter 1939/40 mehr als 400 Zeuginnen inhaftiert, weil sie jede Form von Arbeit für den Krieg verweigerten. Für das KZ Ravensbrück lassen sich bis 1945 rund 850 Frauen und 250 Männer der Zeugen Jehovas nachweisen. Es ist die erste Ausstellung in der Gedenkstätte Ravensbrück über die inhaftierten Frauen und Männer der Zeugen Jehovas. Die Sonderausstellung, die vom Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas, Selters/Taunus konzipiert und gestaltet wurde, ist eine chronologisch-thematische Darstellung der Geschichte der NS-Verfolgtengruppe der Zeugen Jehovas im KZ Ravensbrück. Anhand von Kurzbiografien werden Lebensschicksale von Frauen und Männern vorgestellt, die von den Nationalsozialisten mit dem Haftgrund IBV (Internationale Bibelforschervereinigung) in Konzentrationslager eingewiesen wurden und von der SS mit dem lila Winkel auf der Häftlingskleidung gekennzeichnet wurden. Die Ausstellung informiert über den »Bibelforscher-Block« in Ravensbrück und über so genannte Verpflichtungserklärungen, die die Freiheit versprachen, falls die Inhaftierten ihrem Glauben abschworen. Thematisiert werden auch die unterschiedlichen Arbeitskommandos, in denen die Zeuginnen Zwangsarbeit verrichten mussten, sowie Transporte nach Auschwitz und Birkenau. Schließlich beschäftigt sich die Ausstellung auch mit der Situation der überlebenden Lila-Winkel-Häftlinge nach 1945. In der DDR und in der Sowjetunion wurde ihnen nicht nur die Anerkennung als NS-Verfolgte verweigert, sondern sie wurden sogar erneut verfolgt und inhaftiert. »Die Zeugen Jehovas gehören bis heute zu den Opfern nationalsozialistischer Verfolgung, die nicht im Mittelpunkt des öffentlichen Gedenkens stehen«, sagte Gedenkstättenleiterin Dr. Insa Eschebach anlässlich der Ausstellungseröffnung am 28. Februar 2007. »Daher ist es mir ein besonders wichtiges Anliegen, dass die Gedenkstätte Ravensbrück mit dieser Ausstellung an die mutigen Männer und Frauen der Zeugen Jehovas erinnert, die sich auf Grund ihres Glaubens dem nationalsozialistischen Regime verweigert haben.« Den Eröffnungsvortrag »'Gemeinschaftsgeist und Glaubensstärke.' Die Bibelforscher-Häftlinge in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern« hielt der Historiker und Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Dr. Detlef Garbe. Die als Zeugin Jehovas inhaftierte Ravensbrückerin Magdalena Reuter sprach über ihr Verfolgungsschicksal. »Mit dieser Ausstellung schliest sich ein Kreis des Gedenkens am authentischen Ort«, sagte Johannes Wrobel vom Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas, »denn vor über 10 Jahren wurde hier die Videodokumentation 'Standhaft trotz Verfolgung' uraufgeführt, womit eine verstärkte Erforschung und öffentliche Wahrnehmung der NS-Opfergruppe der Zeugen Jehovas begann.« |
|
2005/2006
|
Antonina Aleksandrowna Nikiforowa (1907-2001), »...geboren 1907 in Leningrad, russisch, parteilos, akademisch...« - Der Nachlass einer Ravensbrückerin Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zeigte zum 60. Jahrestag der Befreiung im Garagentrakt die Ausstellung »Antonina Aleksandrowna Nikiforowa (1907-2001) ,...geboren 1907 in Leningrad, russisch, parteilos, akademisch...’ Der Nachlass einer Ravensbrückerin«. Erstmalig wird in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück der schriftliche Nachlass einer ehemals im KZ Ravensbrück inhaftierten Frau ausgestellt. Er umfasst über 2.800 Korrespondenzen, davon mehr als 2.200 aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, und bildet damit den größten Nachlass im Archiv der Gedenkstätte. Die russische Ärztin Antonina Nikiforowa war im Zweiten Weltkrieg als Angehörige der Roten Armee von den deutschen Truppen gefangen genommen worden. Sie durchlief mehrere Kriegsgefangenenlager, das Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek und wurde im April 1944 ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert. Nach der Befreiung des Lagers wurde sie leitende Ärztin des von den sowjetischen Behörden auf dem Gelände eingerichteten Hospitals. In die Sowjetunion zurückgekehrt, arbeitete Antonina Nikiforowa als Pathologin in einem Leningrader Krankenhaus. Sie veröffentlichte ihre Erinnerungen an die Zeit der Gefangenschaft in den Büchern »Das darf sich nicht wiederholen« (1958) und »Erzählung von Kampf und Freundschaft« (1967). Als erste Ravensbrückerin aus der Sowjetunion besuchte sie 1957 das ehemalige KZ anlässlich von Gedenkfeierlichkeiten. Ravensbrück blieb lebenslang ein zentrales Thema für sie, zu dem sie sammelte und schrieb. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt der Sammlungstätigkeit von Antonina Nikiforowa, so russische und internationale Korrespondenzen, Fotografien und persönliche Gegenstände. Sie thematisiert Aspekte der beruflichen Laufbahn, des gesellschaftlichen Engagements und der persönlich-familiären Biographie von Antonina Nikiforowa. Konzeption und Realisierung: Sigrid Abenhausen mit Unterstützung von Thomas Kunz |
|
seit 2005
|
»Züge nach Ravensbrück. Transporte mit der Reichsbahn 1939 – 1945« Im
Rahmen des 60. Jahrestages der Befreiung eröffnete die Mahn- und Gedenkstätte
Ravensbrück am 15. April 2005 die Open-Air-Dokumentation »Züge
nach Ravensbrück. Transporte mit der Reichsbahn 1939 – 1945«. Die
Dauerausstellung erinnert daran, dass die allermeisten der rund 130.000
weiblichen und 20.000 männlichen Häftlinge sowie der etwa 1.000 Kinder
und Jugendlichen mit Zügen nach Ravensbrück verschleppt wurden.
Zentrales Ausstellungsobjekt ist ein historischer zweiachsiger, gedeckter
Güterwaggon der Deutschen Reichsbahn aus dem Eisenbahnmuseum in Röbel/Müritz.
Vor und hinter dem Waggon befinden sich je 14 Informationstafeln mit
Texten und Bildern. In ihrem ersten Teil gibt die Ausstellung einen Überblick
über die Zeitstruktur und Herkunft der Transporte nach Ravensbrück. Sie
informiert über die Gleisanlagen rund um das Lager, die Rolle der
Deutschen Reichsbahn bei den Deportationen und über die Restaurierung des
hier ausgestellten Güterwaggons. |
|
2005/2006
|
Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma Erstmals
dokumentiert eine transportable Ausstellung den nationalsozialistischen Völkermord
an den Sinti und Roma. Ausgehend von konkreten Einzelschicksalen wird die
Vernichtungspolitik gegenüber der Minderheit nachgezeichnet: von der
Ausgrenzung bis hin zum Massenmord. Den menschenverachtenden Dokumenten der Täter werden die Berichte der Überlebenden und ihre Familienbilder gegenüber gestellt, welche die Lebenswirklichkeit der Sinti und Roma sichtbar machen. Durch das besondere Spannungsverhältnis dieser beiden Ebenen - Normalität und Alltag der Minderheit einerseits, Terror und Verfolgung andererseits - wird einem Besucher zugleich bewusst, dass sich hinter den abstrakten Dokumenten der bürokratisch organisierten Vernichtung unzählige zerstörte Lebenswege verbergen. Die Ausstellung wurde von dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma erstellt. |
|
2005
|
»Resistents i Deportades« 2005 zeigten wir in der »Schneiderei« die Ausstellung »Resistents i Deportades«, die von spanischen Jugendlichen gestaltet wurde. Unterstützt wurden sie dabei durch die »Amical de Mauthausen« sowie von ehemaligen Häftlingen des KZ Ravensbrück, engagierten Betreuern und Mitarbeitern der Gedenkstätte. Diese Ausstellung ist den im Frauen-KZ Ravensbrück inhaftierten Frauen gewidmet. |
|
2001/2002
Margarete Buber-Neumann zum 100. Geburtstag - Gefangene bei Stalin und HitlerSieben Jahre ihres Lebens war Margarete Buber-Neumann "Gefangene bei Stalin und Hitler". Als Verfolgte zweier Diktaturen des 20. Jahrhunderts ist die ehemals gläubige Kommunistin in russischen und deutschen Gefängnissen und Lagern zur Augenzeugin und Überlebenden vielfachen Leides geworden. Diese Gräuel, aber auch ihre Hoffnungen auf eine menschenwürdige Zukunft in Freiheit und Demokratie hat sie nach 1945 zum Thema zahlreicher Bücher und eines unermüdlichen politischen Engagements gemacht. Zu Margarete Buber-Neumanns 100. Geburtstag erinnert eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück mit noch größtenteils unbekannten Dokumenten, Briefen und Photographien an die 1989 verstorbene Schriftstellerin. Gezeigt werden Schriftstücke aus deutschen, russischen und Schweizer Archiven, Briefe und Bildmaterial aus dem Privatbesitz der Familie, dem Freundeskreis sowie aus dem Nachlaß Margarete Buber-Neumanns. Teile ihrer Korrespondenz mit Politikern und Personen des öffentlichen Lebens der Bundesrepublik, aber auch Auszüge aus den bislang unveröffentlichten Stasi-Akten zeichnen ein noch unbekanntes Bild der Zeitzeugin und ihrer politischen Rolle in der Nachkriegszeit. Bereits
in der antibürgerlichen Jugendbewegung hatte sich die am 21. Oktober 1901
geborene Margarete Thüring von ihrem Potsdamer Elternhaus emanzipiert.
Die ersten Jahre der Weimarer Republik erlebte die gelernte
Kinderhortnerin als Jungkommunistin in Berlin, Heidelberg, Jena und
Heppenheim. Als ihre 1922 geschlossene Ehe mit Raphael Buber, Sohn des jüdischen
Religionsphilosophen Martin Buber, nach nur wenigen Jahren geschieden
wurde, verlor sie das Sorgerecht für ihre beiden Töchter Barbara und
Judith. Nach langen Monaten im Strafblock des Lagers Karaganda brachte man Margarete Buber-Neumann Ende des Jahres 1939 nach Moskau zurück - gemäß den Vereinbarungen des Hitler-Stalin-Paktes stand ihr nun die Auslieferung an Nazideutschland bevor. Aus der kommunistischen Anhängerin war eine überzeugte Antikommunistin geworden. Doch gerade dies wurde ihr bei der Einlieferung in das deutsche Konzentrationslager Ravensbrück zum zusätzlichen Stigma. Nur wenige der dort inhaftierten Kommunistinnen schenkten Margarete Buber-Neumanns Berichten über die Sowjetunion Glauben, die Mehrzahl der politischen Häftlinge lehnte die neue Mitgefangene offen ab. Eine tiefe Freundschaft verband sie dagegen mit der tschechischen Journalistin Milena Jesenská. Das der in Ravensbrück umgekommenen Freundin gegebene Versprechen, nach der Befreiung über die Welt der Lager zu berichten, löste Margarete Buber-Neumann bald nach dem Krieg mit ihrem Buch "Als Gefangene bei Stalin und Hitler" ein. Wie dieses Zeugnis galt auch ihre Aussage im Pariser "Krawtschenko-Prozeß" 1949 als politische Sensation. Waren die Auslieferungen von Brest-Litowsk damals noch ein weithin unbekanntes Kapitel des Zweiten Weltkrieges, ließen besonders die Stalinisten Westeuropas kaum eine Gelegenheit aus, Margarete Buber-Neumann als Lügnerin zu attackieren. Die Autorin antwortete mit einem Rufmord-Prozeß in ihrem neuen Wohnort Frankfurt am Main. Gleichzeitig engagierte sie sich, unterstützt von der amerikanischen Besatzungsmacht, in politischen Organisationen gegen den Kommunismus. Als Mitglied des Kongresses für kulturelle Freiheit wurde Margarete Buber-Neumann nicht nur zur kurzzeitigen Herausgeberin einer neuen Zeitschrift, sondern auch die Leiterin einer politischen Schule für junge Deutsche. Als Vorsitzende des "Befreiungskomitees für die Opfer totalitärer Willkür", einer Organisation, die sich für Inhaftierte in der sowjetischen Besatzungszone einsetzte, geriet sie schon bald ins Visier der DDR-Staatssicherheitsbehörden. Politisch
näherte sich Margarete Buber-Neumann in den folgenden Jahren zunehmend
der CDU an, in die sie jedoch erst im Alter von 74 Jahren eintrat. Als
fatale Wiederholung ihrer eigenen Irrtümer erschienen ihr in diesen
Jahren die Studentenbewegung, vor deren ideologischen Verlockungen sie auf
zahlreichen Vortragsreisen zu warnen versuchte. Auch die neue Ostpolitik
erweckte den Widerspruch Margarete Buber-Neumanns, deren Ruf als
"Kalte Kriegerin" sich vor allem in den Siebziger Jahren
festigte. 1981 wurde der zuletzt von der Öffentlichkeit zurückgezogen
lebenden Schriftstellerin das Bundesverdienstkreuz verliehen. |
|
2000 | 2004/2005
|
»Frauenbilder« - Portraitinstallationen Die Ausstellung im Eingangsbereich des ehemaligen KZ-Geländes auf dem Appellplatz zeigte eine Portraitauswahl von zehn Ravensbrückerinnen. Die Fotos sind überwiegend während der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Befreiung aufgenommen worden. Sie werden nunmehr im 55. Jahr nach der Befreiung gezeigt. Die abgebildeten Frauen kommen aus sieben Ländern. Sie wurden zwischen 1939 und 1945 inhaftiert und sind entweder direkt oder im Laufe ihrer Lagergeschichte in das Frauen-Konzentrationslager verschleppt worden. Der Appellplatz hatte im Lager eine zentrale Bedeutung. Während ihrer Gefangenschaft mußten alle LagerinsassInnen stundenlang, stumm und bewegungslos, aufgereiht stehen und eine quälende Zählprozedur über sich ergehen lassen. Die Identität des einzelnen Menschen wurde dabei in der Anonymität der Menge bewußt zerstört. Mit den großformatigen Bilder von: Agnes Bartha / Ungarn, Dr. Wanda Poltawska / Polen, Lidia Vago / Israel, Ludmilla Woloschima Makarowa / Rußland, Violette Rougier-Lecoq / Frankreich, Schwester Theodolinde / Deutschland, Kató Gyulai / Ungarn, Gräfin Maria Plata Skassa / Polen, Hermine Schmidt / Deutschland, Anika Bremell / Schweden werden zehn Frauengeschichten aus der Gruppe der Ravensbrückerinnen aus der Lageranonymität hervorgehoben. Die Ausstellung "Frauenbilder" präsentiert Gesichter der alt gewordenen Ravensbrückerinnen und setzt sie in einen Dialog mit dem authentischen Ort. Die Bilder schlagen eine Brücke über die vergangenen fünfundfünfzig Jahre und möchten dazu beitragen, die Geschichte der Ravensbrückerinnen bis in die heutige Zeit fortzuschreiben. Idee & Realisation: Planungsgruppe Frauengold / Kristin-Susanne Häselhoff (Düsseldorf) und Christina Reinhold-Häbich (Berlin), Photos: Loretta Walz und Heinz Heuschkel, Bildbearbeitung: Martin Reinhold (Köln / Berlin), Grafik: jp3, Atelier für Gestaltung (Berlin) |
|
seit 1999
|
Mit der Sonderausstellung Die Sprache des Gedenkens. Zur Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück 1945-1995 befragt die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück seit 1999 auf ca. 270 qm Ausstellungsfläche in den ehemaligen SS-Garagen Sprache und Formen des Gedenkens zur Zeit der Sowjetischen Besatzungszone, der Deutschen Demokratischen Republik und schließlich der Bundesrepublik Deutschland. Die Ausstellung thematisiert die Sprache des Gedenkens - die verbal gefassten Botschaften ebenso wie die nicht-verbalen Gesten und Handlungen - und fragt nach den Traditionslinien, Kontinuitäten und Brüchen in der Praxis des Gedenkens. Darüber hinaus geht es aber auch um den Umgang mit dem KZ-Gelände nach 1945, um die sowjetischen Nachbarn der Gedenkstätte und nicht zuletzt um die "Mitwirkung" des Ministeriums für Staatssicherheit bei den Gedenkfeiern. Anlässlich der Ausstellung ist ein gleichnamiger Sammelband in der Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten erschienen. Anlässlich des 40jährigen Bestehens der Gedenkstätte zeigt die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück seit dem 1999 diese Sonderausstellung. |
|