Forschung


Die Sammlungen der Gedenkstätte - Archiv, Bibliothek, Depot, Fotothek und Mediathek - bieten ideale Voraussetzungen für die Forschung. Der Grundstein der Sammlungen wurde 1958/59 mit dem Aufbau des ersten Lagermuseums im Zellenbau gelegt. Ehemalige Häftlinge übergaben viele Gegenstande aus der Zeit ihrer KZ-Haft, darunter Zeichnungen, Miniaturen und Briefe, als Schenkung. Die Sammlungen umfassen archivalische und museale Bestande zum Frauenkonzentrationslager, Männerlager und dem »Jugendschutzlager Uckermark« sowie Nachlässe einzelner Häftlinge und Dokumente zur Geschichte der Gedenkstätte. Als Einrichtung mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung werden die Sammlungen ständig erweitert. Die Präsenzbibliothek halt Fachliteratur sowie zahlreiche Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bereit. Die Benutzung von Beständen aus den Sammlungsbereichen Archiv, Bibliothek, Depot, Fotothek und Mediathek ist nach vorheriger Anmeldung dienstags bis freitags von 9 bis 16.30 Uhr möglich.

Ehemalige Häftlinge betrachten das Fotoalbum der SS, 
eines der Originale aus der KZ-Zeit in den Sammlungen Ravensbrück.


Quellenlage

Die militärische Nutzung des originären KZ-Geländes durch in Fürstenberg stationierte sowjetische Truppen sowie der beschwerliche bzw. unmögliche Zugang zu einer Vielzahl von Quellen (Archivalien u.a.) zum Frauen-KZ Ravensbrück behinderten in den Jahrzehnten der DDR-Gedenkstätte die Forschungen. Demgegenüber steht ein beeindruckendes Engagement von Ravensbrückerinnen verschiedenster Länder, über das KZ Ravensbrück zu sammeln, zu forschen und die eigenen Erfahrungen aufzuschreiben. So entstanden insbesondere in Polen und Frankreich sowie in der Sowjetunion Standardwerke zur Geschichte und zum Geschehen im Frauen-KZ Ravensbrück. In der DDR war es unter anderen Erika Buchmann, die solch ein erstes Standardwerk veröffentlichte und ihre »Kameradinnen« ermunterte, die »Erlebnisse« niederzuschreiben. Diese mehr als 1.000 Niederschriften liegen als sogenannte Erlebnisberichte vor. Trotz aller subjektiven Betrachtungsweisen zählen sie heute zu den wichtigsten Quellen für die Erinnerungen an das Frauen-KZ Ravensbrück. Darüber hinaus haben erste Besuche in russischen Archiven zu der Erkenntnis geführt, dass die Rote Armee seinerzeit Unterlagen der SS vorgefunden und gerettet hat, während die SS selbst unmittelbar vor der Befreiung des Lagers große Mengen von Akten verbrannt haben soll. Inzwischen haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück Recherchen in diversen Archiven durchgeführt, insbesondere in Ludwigsburg, Koblenz, Potsdam und verschiedenen Berliner Archiven, aber auch in Archiven im Ausland. Ein eminent wichtiger Quellenbestand sind die Prozessunterlagen gegen das Ravensbrücker SS-Personal, die vor allem in Hamburg, Rastatt, Rostock und weiteren Orten geführt wurden. 


Forschungsschwerpunkte

Wegen der oben geschilderten Situation dauerte es, bis eine umfassende und fundierte Monografie zur Geschichte des Frauen-KZ Ravensbrück entstehen konnte. Schwerpunkte der Forschung der vergangenen Jahre waren etwa die Biografienforschung, die Entstehungs- und Baugeschichte des Frauen-KZ, der Lageralltag, die Kinder im Frauen-KZ oder die Befreiung 1945.  Der Historiker Bernhard Strebel hat mit seinem Werk Das KZ Ravensbrück - Geschichte eines Lagerkomplexes im Paderborner Schöningh-Verlag 2003 eine umfangreiche Monografie vorgelegt. Das 615-seitige Werk liefert den bislang umfassendsten Einblick in die Geschichte des KZs Ravensbrück.


Forschungskooperationen

Forschungskooperationen bestehen u. a. mit:


Archiv

 

Die von Erika Buchmann und anderen Häftlingen zusammengetragenen Erlebnisberichte.

 

Entstehung

Im Frühjahr 1945 vernichtete die SS große Teile der Verwaltungs- und Häftlings-Registraturen des Frauen-KZs Ravensbrück; Einzeldokumente konnten vor der Vernichtung bewahrt werden und gelangten in Sammlungen im In- und Ausland. Ein geschlossenes Archivgut zum Frauen-KZ Ravensbrück ist somit nicht erhalten geblieben. Erste Sammlungsbestände entstanden im Zusammenhang mit der Eröffnung des sogenannten Lagermuseums 1959. Ehemalige Häftlinge übergaben der Gedenkstätte hierfür und in den folgenden Jahren Dokumente der KZ-Zeit (Briefe, Gedichte, Lieder u.a.m.). In den 1970er Jahren begann die Gedenkstätte, ein Archiv aufzubauen.

 

Bestände

Das Profil des Archivs wird vor allem durch die unterschiedlichen Dokumentenarten und die entsprechenden Provenienzbildner bestimmt. Zu den Beständen zählen

Im Rahmen zahlreicher Forschungsprojekte und durch Kooperation mit anderen Institutionen werden relevante Bestände gesichtet und in Kopie erworben, etwa die Akten der Hamburger Ravensbrück-Prozesse aus dem Public Record Office in London. Für die Recherchen stehen Findhilfsmittel zur Verfügung. Ihre Ansprechpartnerin ist Cordula Hundertmark [hundertmark@ravensbrueck.de].


Bibliothek

Die Bibliothek der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück ist eine Präsenzbibliothek zur Frauen- und NS-Forschung, speziell zur Geschichte des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück. 
Die ab 1982 eingerichtete Büchersammlung wird erst seit 1993 systematisch zu einer Spezialbibliothek für die »Ravensbrückforschung« und die Öffentlichkeitsarbeit der Gedenkstätte ausgebaut. Benutzerinnen und Benutzern ist ein Teilbestand von ca. 4100 Bänden über eine systematische Freihandaufstellung im Lesesaal zugänglich, darunter auch ausgewählte Zeitungen und Zeitschriften. Eine Bestandserschließung mit dem programmierbaren Datenbanksystem »allegro« hat begonnen; geplant ist eine zukünftige Integration in den allegro-basierten Gedenkstättenkatalog im Internet. Ihre Ansprechpartnerin ist Cordula Hundertmark [bibliothek@ravensbrueck.de].

Den wertvollsten Teilbestand bilden die deutsch- und fremdsprachigen Monographien zur Geschichte des Frauen-KZ Ravensbrück und die publizierten Erlebnisberichte bzw. Biographien ehemaliger Häftlinge, die innerhalb und außerhalb des Verlagswesens - zum Teil schon Ende der 1940er Jahre - erschienen sind. Von ausgewählten fremdsprachigen Publikationen stehen Arbeitsübersetzungen zur Verfügung.

Die Bestandserweiterung erfolgt vor allem in den Sammelschwerpunkten:


Fotothek

Die Fotothek umfasst ca. 10.000 Fotografien. Darunter befinden sich Originalfotos aus der KZ-Zeit, so das 1941 entstandene Propaganda-Album der SS mit 92 Fotos. Später haben ehemalige Häftlinge der Gedenkstätte weitere vor und nach ihrer Haftzeit entstandene Fotos übergeben. Andere Gedenkstätten und Institutionen stellten Reproduktionen zur Verfügung.
Zur Sammlung gehören Fotos zur Entstehung und Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück sowie zu Gedenkveranstaltungen in den vergangenen Jahrzehnten. Ab 1993 wurden die Bestände erweitert. Es entstanden ausführliche Fotodokumentationen zum Abzug der GUS-Truppen vom ehemaligen KZ-Gelände sowie zu den Hinterlassenschaften der militärischen Nutzung. Darüber hinaus sind alle Veranstaltungen der Gedenkstätte ab 1993, Ausstellungen, Bauarbeiten, Zeitzeugenbegegnungen u.a.m. fotografisch dokumentiert. Hinzu kommen diverse Porträts ehemaliger Häftlinge. 

Knapp zwei Drittel der Sammlung sind bislang mittels Karteikarten entsprechend der folgenden Systematik erschlossen. Die Digitalisierung der Bilder und der Karteikarten ist in Arbeit. Ihre Ansprechpartnerin ist Britta Pawelke  [fotothek@ravensbrueck.de]

 

Systematik

Fo I Geschichte bis 1933 
Fo II Geschichte 1933 - 1945 
Fo III Prozesse/Strafverfolgung 
Fo IV (Nationale) Mahn- und Gedenkstätte (einschließlich Entstehungsphase) 
Fo V Kunst 
Fo VI Ehemalige Häftlinge 
Fo VII Lagergemeinschaften 
Fo VIII Vereine/Institutionen 
Fo IX Gedenkstätten und -orte 
Fo X Nutzung des ehemaligen Lagergeländes durch die sowjetische Armee und die GUS-Truppen sowie die durch deren Abzug freigewordenen Gebiete 
Fo XI Arbeit außerhalb der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück 
Fo XII Internes


Mediathek

1996 begann der Aufbau einer Mediathek mit Präsenzcharakter. Sie bewahrt die für die Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück relevanten Ton- und Bildbeiträge und stellt diese den rechtlichen Möglichkeiten entsprechend für die Nutzung zur Verfügung.
Dazu gehören neben Schallplatten, Tonbändern, Videokassetten, Tonkassetten auch Filme im 16 und 35mm Kinoformat, deren Erscheinungsjahr bis in die 1960er Jahre zurückreicht. Wertvollster Teil des Bestandes sind Audio- und Videointerviews mit ZeitzeugInnen sowie Dokumentationen zur Geschichte des Frauen-KZ. 

Die Beiträge sind über Personen, Titel und Schlagworte recherchierbar. Über die hier vorhandenen Medien hinaus strebt die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eine möglichst umfangreiche bibliographische Nachweisführung zu früheren Produktionen an. Ihre Ansprechpartnerin ist Cordula Hundertmark [bibliothek@ravensbrueck.de].

Im Rahmen der Arbeit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte wird der Erweiterung der Mediathek für die weitere historisch-politische Bildungsarbeit eine zunehmende Bedeutung eingeräumt.


Depot

Das Depot der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück bewahrt Gegenstände, Kleidungsstücke und künstlerische Zeugnisse ehemaliger Häftlinge des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück sowie auf dem Gelände des früheren Lagers gefundene Objekte auf. Diese kleinen, oft unscheinbaren und alltäglichen Dinge hatten unter den menschenverachtenden Bedingungen des KZ eine große Bedeutung für das Überleben.
Im Einzelnen handelt es sich dabei um alltägliche Gebrauchsgegenstände der KZ-Zeit, darunter Kämme oder Zahnbürsten sowie Häftlingswinkel als Zeugnisse der Stigmatisierung durch die SS. Zu den künstlerischen Zeugnissen gehören Zeichnungen, kleine Büchlein mit Aufzeichnungen von Gedichten, Liedern, Kochrezepten u.a. Ebenso zählen dazu kleine Stickereien oder aus Zahnbürstenstielen geschnitzte Kruzifixe.

All diese Zeichnungen und Gegenstände rücken zunehmend ins Blickfeld der historischen Forschung. Durch neue Kontakte zu Überlebenden und deren Bereitschaft, persönliche Gegenstände an die Gedenkstätte zu übergeben, konnten die Depotbestände in den vergangenen Jahren erweitert werden. Rund 2000 der über 4000 Exponate sind teilweise erschlossen. Ihre Ansprechpartnerin ist Dr. Sabine Arend [arend@ravensbrueck.de].

 

Systematik

Bestand bis 1945
A - Lagergegenstände der SS
B - Lagergegenstände der Häftlinge
C - Nebenlager Neubrandenburg
D - Künstlerische Arbeiten von Häftlingen
E - Bildende Kunst / Zeichnungen
F - Schriftliche Quellen
G - Sonstiges

Bestand nach 1945
H - Andenken, Geschenke
J - Gedichte, Lieder, Noten
K - Fotos
L - Bildende Kunst
M - Fundsachen GUS-Streitkräfte
N - Orden, Münzen, Medaillen, Urkunden
O - Fahnen, Wimpel, Kranzschleifen
P - Plakate

 

»Halle Ko(ndensatoren-)Bau« der Siemensfabrik in Ravensbrück.

Illegale Zeichnung von Astrid Pedersen-Blumensaadt im Depot.

 


Haftrecherchen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Täglich wenden sich ehemalige Häftlinge an die Gedenkstätte, um eine Bestätigung ihrer Haftzeit zu erhalten, die sie zur Beantragung von Rente oder Entschädigung benötigen. Angesichts des Alters und der Not vieler, gerade osteuropäischer Überlebender ist die Beantwortung dieser Anfragen eine besonders dringliche Verpflichtung, sind doch die KZ-Gedenkstätten vielfach die einzigen Ansprechpartner der Überlebenden im Land ihres früheren Leidens. Die Gedenkstätte ist daher um eine möglichst rasche und gründliche Recherche der individuellen Schicksale bemüht. Angesichts der steigenden Zahl von Anfragen (rund 50 pro Monat) müssen aber gelegentlich Zwischenbescheide verschickt werden, ehe die eigentliche Recherche beginnen kann. Die Recherche begegnet erheblichen Problemen: Die historischen Quellen sind gerade für Ravensbrück nur sehr lückenhaft und zerstreut überliefert, da die SS zu Kriegsende die Spuren ihrer Verbrechen tilgen wollte. Ohnehin legte die SS auf eine korrekte Schreibweise von Namen und Geburtstagen nicht immer wert. Zudem erfordert auch die von ehrenamtlichen Helfern der Gedenkstätte übernommene Übersetzung der häufig handschriftlich-kyrillischen Anfragen eine gewisse Zeit. Erschwert wird die Recherche durch die - nach 55 Jahren verständlicherweise - ungenauen Angaben in den Briefen.

So müssen zahlreiche Anfragen leider immer wieder negativ beantwortet werden. Damit werden selbstverständlich nicht die Aussagen in den Briefen bezweifelt; es lässt sich lediglich kein aktenmäßiger Nachweis der Inhaftierung finden. Wir empfehlen eine Anfrage an die größte deutsche Recherche-Einrichtung, den International Tracing Service des Roten Kreuzes in Arolsen. In der Gedenkstätte Ravensbrück wurden die Haftanfragen von deutschen und österreichischen Zivildienstleistenden bzw. Gedenkdienern beantwortet. Durch die Neuentwicklung komfortabler Datenbanken werden derzeit Recherche und Bearbeitung beschleunigt. Zugleich werden die inzwischen über 2000 eingegangenen Haftanfragen - oft mit detaillierten Beschreibungen der eigenen Haftgeschichte - als Quelle für die Forschung nutzbar gemacht.

 

Anfragen zur Bestätigung der Inhaftierung

Bei Anfragen sollten, soweit möglich, folgende Angaben unbedingt gemacht werden:

1) Familienname | 2) Vorname | 3) Geburtsname | 4) Eventuelle Tarnnamen

5) Geburtsdatum | 6) Nationalität | 7) Datum der Inhaftierung in Ravensbrück

8) Haftnummer

 

Alle weiteren Angaben zur Inhaftierung in Ravensbrück, wie Arbeitskommandos, Arbeitseinsätze usw., erleichtern die Recherche oft erheblich. Auch eine Beschreibung der Haftstationen vor oder nach Ravensbrück sind eine wichtige Hilfe für das Auffinden von personenbezogenen Daten. Die Recherche erfolgt kostenfrei.

Richten Sie Ihre Anfragen an die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Straße der Nationen, 16798 Fürstenberg/Havel oder schnell@ravensbrueck.de.