Europäische Sommer-Universität Ravensbrück
Europäische Sommer-Universität Ravensbrück 2010
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Europäische Sommer-Universität Ravensbrück 2010 »Bildersprachen. Künstlerische Produktion in Lagern und Ghettos 1933–1945« (29. August - 3. September 2010)
Veranstalter: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück |
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in Kooperation mit der
Heinrich-Böll-Stiftung (Berlin) und der Stiftung Topographie des Terrors
(Berlin) Information und Anmeldung: sommer-uni@ravensbrueck.de |
Bewerbungen
für die Forschungsbörse am 01.09. sind weiterhin willkommen!
Den Programm-Flyer finden Sie hier...
Den »Call for Papers« für die Forschungsbörse finden Sie hier...
Die Anmeldebögen für die Teilnahme und die Buchung einer Unterkunft finden Sie hier...
Für die Folgejahre sind auch die Themen schon umrissen: 2011 »Geschlecht und Rasse in der NS-Medizin« und 2012 »Generationen- und geschlechtsspezifische Erinnerungen und Medienbiographien«.
European Summer School Ravensbrück 2010
Pictorial Languages. Artistic Production in Camps and Ghettos 1933 to 1945
August 29, - September 3, 2010
Arts
and artistic practices from Nazi concentration camps are usually interpreted
as forms of resistance against the terror and anonymity. The Ravensbrück Summer
School will approach the subject from a broader perspective and look at the
artistic documents from different angles: Apart
from describing and analysing the conditions under which artistic production was
possible in the camps, we want to discuss the differences in the depictions of
the camps and the way in which these works were received by academics and used
in exhibitions and educational work. Another new aspect of discussion are the
gender images embedded in these works.
Our
focus will be on fine arts: drawings, paintings and craft objects made secretly
or on commission. These objects will be examined in relation to other art forms
such as literature, drama or music. The Summer School discussions will try to
answer the question of what role art shall play for the analysis of the
National-Socialist persecution in future.
The introductory lectures in the mornings will focus on the main topics. In the afternoons we will broaden our perspective and study specific aspects of these topics in study groups which will take place simultaneously. The languages of the conference will be German and English. We will provide a simultaneous translation.
Europäische Sommer-Universität Ravensbrück 2009
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Europäische
Sommer-Universität Ravensbrück 2009 Unter
deutscher Besatzung:
Geschlechterpolitiken und Rassismus im Zweiten Weltkrieg
–
Polen,
Frankreich, Italien
(30.
August -
4.
September 2009 Im
70. Jahr nach Kriegsbeginn und dem Überfall auf Polen nimmt sich die fünfte
Europäische Sommer-Universität Ravensbrück dem Thema der deutschen Besatzung
in Europa an. Mit einem vergleichenden Blick auf Polen, Frankreich und Italien
sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der deutschen Eroberungspolitik sowie
des Besatzungsalltags während des Zweiten Weltkrieges herausgearbeitet werden.
In Vorträgen und Arbeitsgruppen wird untersucht, welche Formen die deutsche
Besatzungspolitik annehmen konnte und wie die besetzten Gesellschaften darauf
reagierten. Zentral ist einerseits die Frage nach den Funktionen und Effekten
der rassistischen Ausgrenzungspolitik, andererseits die Bedeutung der Kategorie
Geschlecht. Die
Einführungsvorträge am Vormittag sind der Erörterung des Phänomens der
Besatzung unter militärhistorischen, sozialgeschichtlichen und
geschlechtsbezogenen Perspektiven gewidmet: Worin lag die Spezifik der Ziele und
Methoden nationalsozialistischer Besatzungspolitik in den drei ausgewählten Ländern?
Welche Wahrnehmungen, Erwartungen, Vorurteile waren bei den Besatzern virulent?
Welche Folgen hatte die deutsche Politik für die Frauen, Männer und Kinder in
den okkupierten Staaten? Und welche, möglicherweise geschlechtsspezifischen
Handlungs- und Überlebensstrategien wählten sie in unterschiedlichen
Situationen? Die Analyse soll insbesondere auch die Ausbeutung der eroberten Bevölkerungen
für die nationalsozialistische Kriegswirtschaft in den Blick nehmen: Wie wurden
die Maßnahmen zur Zwangsarbeit durchgesetzt? Wie sah die Deportationspraxis in
unterschiedlichen Regionen aus? Und welche Rolle kam den Konzentrationslagern,
insbesondere dem Frauen-KZ Ravensbrück, im Rahmen der Besatzungspolitik zu? |
Die
fünfte Sommer-Universität Ravensbrück betrachtete diese Fragen am Beispiel der Länder
Polen, Frankreich und Italien
genauer . Jedem Land war jeweils ein ganzer Tag mit
Panelveranstaltungen am Vormittag und Workshops am Nachmittag gewidmet. Dabei
sollten die Workshops die Erkenntnisse der Panels anhand von vier Schwerpunkten
vertiefen:
Geschlechterverhältnisse im Besatzungsalltag
Rassistische
Konzepte und ihre Durchsetzung/Ausgrenzung und Kollaboration
Geschlechtsspezifische Deportationspraxen
Besatzung,
Kollaboration und Widerstand in der Erinnerungskultur und gegenwärtige
Erinnerungspolitik
Die
Sommer-Universität steht unter der Schirmherrschaft der Ministerin für
Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Johanna
Wanka, und wird in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der
Stiftung
Topographie des Terrors veranstaltet.
Sie können sich bereits zu diesem Zeitpunkt online anmelden oder den Anmeldebogen als PDF-Datei herunterladen.
Downloads (PDF):
Programm
(deutsch/englisch) |
Call for Papers
- Forschungsbörse |
Call for Papers -
Infostände |
Anmeldebogen |
Zum
Veranstaltungsplakat [ausdruckbar bis A2]
Programm
(German/English) |
European
Summer School Ravensbrück 2009:
Under German Occupation: Gender Politics and
Racism during World War II - Poland, France, Italy (30.08.-4.09.2009) | Outline
|
Call for Papers
- New Research |
Call for
Papers - initiatives |
Registration form
Université d ’été
Européenne de Ravensbrück 2009: Sous
occupation allemande: Politiques des sexes et racisme pendant la Seconde
Guerre mondiale - Pologne, France, Italie (30.08. - 4.09.2009) | Esquisse
de projet
Europejski
Uniwersytet Letni Ravensbrück 2009 - Opis projektu
Europäische Sommer-Universität Ravensbrück 2008
Europäische Sommer-Universität
Ravensbrück 2008
»Die
Erinnerung an die Shoah an Orten ehemaliger Konzentrationslager
in West- und
Osteuropa. Geschichte, Repräsentation
und Geschlecht«
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| Frank van Vree | (Foto: Strauss) | Gruppenführung durch Angi Meyer | (Foto: Strauss) |
Die Europäische
Sommer-Universität Ravensbrück des Jahres 2008 näherte sich dem Thema der
Erinnerungen an die Shoah aus einer Vielzahl von Perspektiven.
Einerseits standen nationale
Entwicklungen der Memorialkultur in den west- und osteuropäischen Staaten seit
1945 zur Debatte, andererseits ging es aber auch um die Frage transnationaler
Deutungsmuster wie Heroisierungen und Viktimisierungen in den Darstellungen des
Holocaust.
Nach der Begrüßung durch den
Staatssekretär im Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung
und Kultur Dr. Johann Komusiewicz, die Leiterin der Gedenkstätte Dr.
Insa Eschebach und die beiden Mitveranstalter Thomas Lutz (Stiftung
Topographie des Terrors) und Dr. Marianne Zepp (Heinrich-Böll-Stiftung)
führte der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Frank van Vree (Universität
Amsterdam) in das Thema der diesjährigen Sommer-Universität ein. Im
Mittelpunkt seines Vortrags über die Auschwitz-Erinnerung in der europäischen
Geschichtskultur stand die Frage nach den verschiedenen Etappen in der Repräsentation
der Shoah vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart. Für die Erinnerung
in den Vierzigerjahren konstatierte er eine Kontinuität nationaler Traditionen,
im Falle Polens eine Heroisierung, im Falle der Niederlande eine Einbettung der
Holocaust-Erinnerung in das nationale Opfer-Narrativ. Erste Gegenstimmen gegen
die nationalen Meistererzählungen stellte van Vree bereits für die
Mitte der Fünfzigerjahre in Ost- und Westeuropa fest. Eine grundlegende Abkehr
von den heroisierenden Narrativen und eine Thematisierung der Sinnlosigkeit des
Opfers setzte aber erst in den Sechziger- und Siebzigerjahren mit dem
Eichmann-Prozess, den Veröffentlichungen Raoul Hilbergs und der Darstellung der
Shoah in Film und Fernsehen ein. Auch für diese Phase verwies van Vree
auf zeitlich parallele Entwicklungen in West- und Osteuropa.
Cilly Kugelmann
(Jüdisches Museum Berlin) sprach anschließend über die Geschichte der
Erinnerung an die Shoah in Israel und den USA. Für Israel hob sie hervor,
dass die Debatte um den Holocaust, den Umgang mit den Opfern und die
Identifikation mit der Shoah als Gründungsmythos des Landes die Lager spalte. Für
die USA verwies sie auf die Konflikte zwischen den verschiedenen Generationen jüdischer
Einwanderer. Erst in den Achtzigerjahren kam es in den USA zu einer stärkeren
Auseinandersetzung mit der Shoah und ihren jüdischen Opfern in Museen und
Ausstellungen. Das korrespondiert mit der Entwicklung des Gedenkens in Israel,
wo die Massenvernichtung erst vergleichsweise spät ein Thema des
Schulunterrichts wurde. Kugelmann bedauerte, dass die Shoah im Unterricht
noch immer ohne Zeitzeugen gelehrt wird, und kritisierte, dass neuere
Ausstellungen keinerlei Vorstellungsästhetik aufwiesen und zu abstrakt mit dem
Thema umgingen. Ihre Frage zum Schluss, was mit dem Gedenken passiere, wenn
schon alles gesagt sei, ließ sie offen.
PD Dr. Susanne Lanwerd (Collegium
Helveticum, Basel) gab einen Überblick über die Historiographie der Shoah
in der Frauen- und Geschlechterforschung seit den späten Siebzigerjahren.
Ausgangspunkt des wissenschaftlichen Interesses war die Hinwendung zu den
weiblichen Überlebenden des Holocaust. In der Folge traten aber auch Fragen
nach den Täterinnen, nach geschlechtsspezifischen Überlebensstrategien, nach
der „Heimatfront“ und der Bedeutung der Geschlechterordnung für die
Funktionsfähigkeit der Gesellschaft im Krieg hinzu. Abschließend ging Lanwerd
auf das Verhältnis von Gedächtnis und Geschlecht ein. Dabei verwies sie zum
einen auf die große Nachhaltigkeit von Bildhaushalten, zum anderen auf die
Tendenz zu einer Feminisierung in der Beschreibung der Gesellschaft im
Nationalsozialismus als Strategie zur kollektiven Entlastung der Deutschen.
Der zweite Tag stand unter dem
Thema „Orte und Repräsentationen“ und begann mit einem Vortrag von Prof.
Dr. Mechtild Gilzmer (TU Berlin) über Die Erinnerung an die Shoah in
Frankreich, der die verschiedenen Etappen des Gedenkens seit 1944 beschrieb.
Bis in die Sechzigerjahre dominierte der heroische Résistance-Mythos, in dem
vorrangig die aus politischen Gründen Deportierten repräsentiert waren. Die jüdische
Erinnerung passte sich diesem Narrativ weitgehend an, um nicht durch ein
separates Gedenken an die Opfer der Shoah die von den Nationalsozialisten aus
rassistischen Gründen erzwungene Ausgrenzung aus dem nationalen Kollektiv zu
wiederholen. Im Kampf um die Deutungshoheit verstärkte de Gaulle das nationale,
heroische Narrativ noch einmal in den Sechzigerjahren, indem er die Erinnerung
an die Deportationen mit militärischen Repräsentationen überschrieb. Unter
dem Einfluss von Massenmedien und zivilgesellschaftlichen Initiativen setzte in
den Siebzigerjahren eine Hinwendung zu den jüdischen Opfern und zur
Verstrickung der französischen Gesellschaft in die Kollaboration ein, die an
Gedenkorten wie dem Denkmal am Vel d’Hiv und anderen Deportationslagern
Ausdruck fand. Diese Neuorientierung führte dazu, dass heute auch ältere
Denkmale wie das Denkmal für die Deportierten auf der Ile de la Cité als
Gedenkort für die Opfer der Shoah wahrgenommen werden.
Den zweiten Teil des Vormittags bestritt die Soziologin Dr. Éva Kovács (Ungarische Akademie der Wissenschaften) mit einem Vortrag zum Thema der Shoah im sozialen Gedächtnis Ungarns. Anhand einer Unterteilung in drei Phasen 1945-1948, 1948-1990 und 1990 bis 2002 zeigte sie Entwicklungen in der ungarischen Erinnerungskultur auf, wobei der Fokus auf der Diskrepanz zwischen der ungarisch jüdischen und nicht-jüdischen Erinnerung lag. Während die erste Phase den Bruch in den Identitäten und der Erinnerungen markiert, der von kontroversen Auseinandersetzungen mit der Judenverfolgung, starken antisemitischen Manifestationen sowie Pogromen begleitet gewesen ist, kam es in der zweiten Phase zu einer Tabuisierung des Holocaust, die durch die Mythenbildung in den Sechzigerjahren abgelöst wurde. Kovács hob hervor, dass die Geschichtspolitik ein Bild von Ungarn als Opfer des Nationalsozialismus entwarf, in dem die Verfolgung und Ermordung der ungarischen Juden nur als ein Teil der Leiden des ungarischen Volkes wahrgenommen wird. Mit dem Systemwechsel zu Beginn der Neunzigerjahre setzte eine neue Flut von Erinnerungen ein, die neben den Opfern des Stalinismus auch die Opfer der Shoah sichtbar machte und gleichzeitig die Emanzipation der Juden in Ungarn förderte. Dennoch wurde bis heute das Gedächtnis der Shoah kaum in das kollektive Gedächtnis der ungarischen Nation übernommen, wofür die Soziologin die Dichotomie der Holocaust-Erinnerung und der Kommunismus-Erinnerung sowie die kaum thematisierte Täterrolle Ungarns als Gründe anführte.
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Arbeit in Arbeitsgruppen | (Fotos: Strauss) |
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Am Nachmittag wurde das Thema
in Arbeitsgruppen vertieft. Eine von Christian Ganzer geleitete Runde
diskutierte anhand von Fotografien Opfer- und Heldendarstellungen in Museen
und Gedenkstätten in Belarus. In seinem Einführungsvortrag machte Ganzer
deutlich, dass zwei Hauptnarrative für Belarus kennzeichnend sind: die
Heroisierung des Mythos von der „Brester Festung“ und der „Große Vaterländische
Krieg“. Mit dem Erhalt der eigenen Nationalstaatlichkeit musste im Zuge der
Identitätsbildung der Staat mit Geschichte gefüllt werden, wobei man auf die
sowjetischen Mythen und den Verweis auf Belarus als Partisanenrepublik zurückgriff.
Das Gedenken an Helden und Opfer wird dominiert von der Sinnstiftung einer „patriotischen
Erziehung“ der Bevölkerung. Die Shoah wurde lange Zeit als Ermordung „friedlicher
Sowjetbürger“ gehandelt, was auch in der Auseinandersetzung mit den
Darstellungen auf den Fotos deutlich wurde. So konnte festgestellt werden, dass
die Errichtung von Denkmälern für die Opfer der Shoah vorwiegend in den
Neunzigerjahren einsetzt, wobei sie sich in ihrer geringen Monumentalität und
Qualität wesentlich von den Heldendenkmälern unterscheiden. In den Museen
kommt dem „Großen Vaterländischen Krieg“ noch immer der zentrale Platz in
der Erinnerungskultur in Belarus zu.
Eine von Dr. Insa
Eschebach geleitete Arbeitsgruppe Vergangenheitspolitik und
Erinnerungsgeschichte thematisierte die Darstellung der Frauen und
insbesondere der Mütter in der Denkmalslandschaft. In ihrem einführenden
Referat verglich Insa Eschebach das Mahnmal „Tragende“ (Will Lammert)
in Ravensbrück mit der Figurengruppe von Fritz Cremer im ehemaligen
Konzentrationslager Buchenwald. Die „Tragende“ stehe dank ihrer karitativen
Haltung im Gegensatz zu Darstellungen heroischer Männlichkeit, die häufig
Widerstand und Auflehnung auszudrücken scheinen. Bis in die Achtzigerjahre gab
es kein Gedenken an die jüdischen Opfer in Ravensbrück, wo vorrangig die
antifaschistischen Widerstandskämpferinnen als „Gründungsmütter der
sozialistischen Nation“ geehrt wurden. Die Erinnerung an die Shoah setzte erst
ab Mitte der Achtzigerjahre im Zuge einer Pluralisierung des Gedenkens in der
DDR ein. Heute werde Ravensbrück durchaus als Ort der Judenverfolgung
wahrgenommen. Susanne zur Nieden und Silvija Kavčič
stellten die Ergebnisse ihrer Studie zum jüdischen Gedenken
seit den Siebzigerjahren in den KZ-Gedenkstätten der DDR dar. Ausgangspunkt der
Betrachtungen war die These, dass die Erinnerung an die jüdischen Verfolgten
seit dem Verbot der VVN 1949 behindert wurde. Mit der Erosion des
antifaschistischen Narrativs in den Achtzigerjahren konnten sich neue Ansätze
eines jüdischen Gedenkens entfalten.
Die Vorträge und
Arbeitsgruppen des dritten Tages widmeten sich dem Thema Orte und
Autorisierungen. In ihrem einführenden Vortrag sprach Prof. Dr. Sara
Horowitz (York University, Toronto) unter dem Titel Belated Holocaust
Memoirs and the Ambiguities of Mothers über die Beziehungen von Müttern
und Töchtern, welche die Shoah überlebt haben. Dabei unterschied Sara
Horowitz drei Varianten: Zum einen den Wunsch der Tochter, hinter die
verborgene Geschichte der Mutter zu kommen, wenn sie selbst erst nach dem Krieg
geboren wurde, zum zweiten die Idealisierung und Mystifizierung der Beziehung,
wenn die Mutter den Krieg nicht überlebt habe, und drittens die Möglichkeit,
sich mit größerem zeitlichen Abstand nuancierter und freier über die
gemeinsamen Erlebnisse der Shoah auseinander setzen zu können, wenn beide den
Krieg überlebt hatten. Erst in den letzten Jahren, nachdem die Generation der Mütter
gestorben war, brachen die meisten Töchter ihr Schweigen. Sara Horowitz’
Vortrag entmystifizierte die bestehende Heroisierung der
Tochter-Mutter-Beziehungen in der Erinnerung an die Shoah und zeigte auf, dass
Leiden nicht edel macht, sondern positive wie negative Züge bloßlegen kann.
Unter dem Titel Femina
Sacra. Gender, Grief and Political Violence befasste sich der Vortrag der
Soziologin Dr. Ronit Lentin (University of Dublin) mit weiblichen Formen
der Erinnerung an den Holocaust am Beispiel Transnistriens. Ausgangspunkt war
Giorgio Agambens Konzept des „homo sacer“ als dem der souveränen Macht des
Staates ausgelieferten Menschen. Für die in der Zwangssituation des Lagers als
minderwertig deklassierten Frauen hatte dieser Status nicht nur Konsequenzen für
ihre Verfolgung, sondern auch für die Erinnerung an ihr Leiden. Obwohl der Tod
der nach Transnistrien deportierten rumänischen Juden von den Überlebenden als
schlimmer wahrgenommen wurde als der Massenmord in Auschwitz, hielten die
Tabuisierung der Ereignisse in Rumänien und die eigene Scham über die erlebte
Verletzlichkeit und Hilflosigkeit sie lange Zeit davon ab, über ihre
Erfahrungen zu sprechen. Da sich die Erinnerungen von weiblichen Überlebenden
in der Regel weniger als männliche Erinnerungen in lineare Narrative und
Erinnerungsstereotype einpassen, stellen sie diese als „Gegenerzählungen“
in Frage.
In der Arbeitsgruppe der österreichischen Ethnologin und Soziologin Dr. Helga Amesberger (Institut für Konfliktforschung, Wien) Zur Geschichte und Zukunft der Lagergemeinschaften. Die österreichischen Lagergemeinschaften Ravensbrück und Mauthausen als Beispiele wurde die Frage nach der Zukunft von Lagergemeinschaften diskutiert. Anhand der beiden österreichischen Lagergemeinschaften wurde zunächst auf ihre Entstehung und Geschichte eingegangen sowie auf ihre Fortführung ohne die ehemals Verfolgten. Bereits in der Diskussion zeigten sich verschiedene Ansichten darüber, ob sogenannte „FreundInnen“ die Legitimation besitzen, die Lagergemeinschaften fortzusetzen und diese innerhalb von Gremien zu vertreten, oder ob dies ausschließlich den Überlebenden bzw. ihren Nachkommen vorbehalten sein sollte. Im Fall der österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück entschieden sich die ehemaligen Verfolgten dafür, FreundInnen in die Lagergemeinschaft aufzunehmen. Mit einer Präambel in den Statuten der Lagergemeinschaft wird den NachfolgerInnen, die als politische Vertretung der Überlebenden agieren sollen, eine Richtung für ihr zukünftiges Handeln vorgegeben.
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Arbeit in Arbeitsgruppen | (Fotos: Strauss) |
Mit dem Thema Italienische Lagergemeinschaften. Gedenken, Opferkonkurrenzen und Geschlecht befasste sich eine dritte Arbeitsgruppe unter Leitung Paola Bertilottis (Sciences-Po, Paris). Nach 1945 unterstützten die noch faschistisch geprägten staatlichen Instanzen in Italien weder die Repatriierung der Deportierten, noch akzeptierten sie ihre Zuständigkeit hinsichtlich der gesundheitlichen, psychischen und materiellen Notlagen der KZ-Überlebenden. Die Selbstorganisation bildete die einzige Möglichkeit der ehemaligen KZ-Häftlinge, ihre Anliegen gegenüber dem Staat und anderen Interessengruppen zu vertreten. Die unmittelbar nach Kriegsende gegründeten Organisationen sahen sich mit der Aufgabe konfrontiert, ihren Mitgliedern bei der Reintegration in ein ‚normales’ Leben zu helfen und zugleich die Verantwortung für die Dokumentation der Deportationen, für die Bewahrung der Erinnerung und die Würdigung der Toten zu übernehmen. Anhand verschiedener Texte konnte herausgearbeitet werden, dass die Überlebenden als italienische Bürger und als Opfer antisemitischer Rassenpolitik Anerkennung und Gleichstellung beanspruchten. Nur vor dem Hintergrund der Prioritätensetzung für eine ‚nationale Versöhnung’ und der vergangenheitspolitischen Intentionen der Parteienpolitik unter den Bedingungen des Kalten Krieges wurde nachvollziehbar, dass – ungeachtet der bereits in den ersten Nachkriegsjahren veröffentlichten Erinnerungsberichte und Dokumentationen – erst 20 Jahre nach Kriegsende eine Tradition nationalen Gedenkens begründet wurde, an der auch die Organisationen der Ex-Deportierten beteiligt waren.
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Rochelle Saidel | (Foto: Strauss) |
Der Tag schloss mit einer von Dr. Insa Eschebach und Dr. Andrea Genest (Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam) geleiteten Podiumsdiskussion, in der Prof. Dr. Mechtild Gilzmer (Technische Universität, Berlin), Sarah Helm (London), Dr. Rochelle G. Saidel (Remember the Women Institute, New York) und Dr. Susanne Y. Urban (Yad Vashem, Jerusalem) über Das Ravensbrück-Gedächtnis in den USA, Frankreich, Israel und Großbritannien diskutierten. Dabei wurden Unterschiede festgestellt, deren Ursachen vor allem in den verschiedenen historischen und politischen Ausgangssituationen der einzelnen Länder zu suchen sind. Während Ravensbrück in Großbritannien allenfalls durch den Hamburger Ravensbrück-Prozess von 1946/47 und in Ravensbrück internierte britische Agentinnen bekannt ist, spielten die französischen Ravensbrückerinnen schon unmittelbar nach Kriegsende eine große politische Rolle. In
den USA und Israel wuchs das öffentliche Interesse an der Geschichte
des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück hingegen erst in den letzten
zehn Jahren, obgleich in beiden Ländern zahlreiche Frauen und Männer
lebten und leben, die in Ravensbrück inhaftiert waren. |
Der vierte Tag der
Sommer-Universität galt dem Thema „Transformationen memorialer Praxis“. Er
wurde von Dr. Jean Michel Chaumont (Université catholique de
Louvain) mit einem Referat über The Aporetic Challenge to
Heroize „passive“ Victims: Aimé Césaire and Elie Wiesel or Why was the
Claim to Uniqueness a Need of Moral Reconstruction eingeleitet.
Chaumont stellte dabei die Kolonialkritik Aimé
Césaires den Positionen Elie Wiesels gegenüber. Césaire hatte die Shoah als
Deutungsmuster für die Sklaverei genutzt und die europäischen Kolonien in
Amerika und Afrika als ein „allumfassendes Konzentrationslager“ beschrieben.
Er behauptete, dass die Schwarzen nur durch die Vorstellung der Freiheit und die
Güte untereinander überlebt hätten. Wiesel habe die Begriffe Scham und Stolz
in die Diskussion eingebracht. Im Gegensatz zu Césaire betonte er, dass der
Holocaust mit keinem anderen geschichtlichen Ereignis vergleichbar sei. Juden
sollten seiner Meinung nach stolz sein auf den Holocaust als „greatest
event“.
In ihrem Vortrag Zwischen Heroisierung und Viktimisierung. Anmerkungen zur visuellen Erinnerungskultur diskutierte die Berliner Kunsthistorikerin Dr. Katrin Hoffmann-Curtius am Beispiel verschiedener bildlicher Darstellungen Fragen nach der Repräsentation des Jüdischen und dem möglichen Einfluss antisemitischer Stereotypen, nach dem Verhältnis von Geschlecht und einer Hierarchisierung der Opfer in den Kunstwerken, nach dem, was nicht in Bilder gefasst wird, und nach möglichen Kontinuitäten der Bildsprache nach 1945. Dabei kontrastierte sie naturalistische Darstellungen und heroisierende Repräsentationen wie Nathan Rapoports Warschauer Ghetto-Denkmal von 1948 mit der Abstraktion in den Werken Picassos und Fautriers. Während die Heldin auf Rapoports Denkmal wie eine Amazone dargestellt sei, verweisen Fautriers Bilder gerade auf die Zerstörung des weiblichen Körpers. Andere Denkmäler der Nachkriegszeit zeigen Frauen vor allem als „Trauernde“ oder „Tröstende“. In der Diskussion wurde die Frage nach Traditionen der Repräsentationsformen nach 1945 aufgegriffen und dabei der nachhaltige Einfluss Arno Brekers auf die Denkmale der Résistance in Frankreich angesprochen.
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| Nachfragen und Anmerkungen im Plenum | (Fotos: Strauss) | |
Eine Arbeitsgruppe befasste
sich unter Leitung des Krakauer Soziologen Prof. Dr. Marek Kucia (Jagiellonen-Universität)
mit den Repräsentationen von Auschwitz in Polen von 1945 bis zur Gegenwart.
Im Mittelpunkt stand die Repräsentation der Shoah in Literatur und Film und in
der Gedenkstätte Auschwitz. Galt „Auschwitz“ bis Ende der Sechzigerjahre
als Symbol der Einheit der polnischen Nation und danach als Mahnmal des Friedens
in der Blockkonfrontation des Kalten Krieges, so wird Auschwitz in der heutigen
Ausstellung als zentraler Ort des Judenmords thematisiert. Mit Rücksicht auf
die vor 1989 kanonisierte Opferzahl von 4 Millionen wurde in der Neugestaltung
darauf verzichtet, die unserem heutigen Kenntnisstand entsprechende Zahl der
1,35 Millionen nach Auschwitz Deportierten explizit zu nennen. Neben den Filmen
der Achtziger- und Neunzigerjahre wie „Kornblumenblau“, „Shoah“ und „Schindlers
Liste“ sind es vor allem frühe literarische Verarbeitungen der Holocaust-Erfahrung
wie die von Tadeusz Borowski und Zofia Nałkowska, die bis heute die
polnische Erinnerung an Auschwitz bestimmen.
Die Sitzung der Arbeitsgruppe Darstellung von Häftlingen in modernen Gedenkstätten – Ausstellungen in Deutschland begann mit einem Referat von Thomas Lutz (Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors) über die Gedenkstättenlandschaft, ihre Kosten und das neue Gedenkstättenkonzept der Bundesregierung. Dieses strebe eine engere Zusammenarbeit und eine weitere Professionalisierung der 19 wichtigsten NS-Gedenkstätten an, berge aber andererseits die Gefahr einer stärkeren politischen Einflussnahme. Lutz nannte die Neunzigerjahre „das Jahrzehnt der Gedenkstätten“ und sprach von einem positiven Trend. Dennoch sei es weiterhin notwendig, an gemeinsamen Zielstellungen zu arbeiten. Ein kritisches selbstbestimmtes Bild, die Darstellung aller Opfergruppen und die Probleme oftmals moralisierender Ausstellungsansätze waren Themen der Diskussion. Abschließend setzte sich Lutz mit der Bedeutung von Bildern, Dokumenten und Artefakten in den neueren Ausstellungskonzeptionen und den Gründen für eine stärkere Individualisierung und Abstraktion in der Präsentation auseinander.

TeilnehmerInnen der Sommer-Universität 2008 (Foto: Pawelke)
Die 4. Europäischen
Sommer-Universität Ravensbrück schloss im Jüdischen Museum Berlin mit einer
von Dr. Marianne Zepp geleiteten Podiumsdiskussion, in der Cilly
Kugelmann, der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Micha Brumlik (Universität
Frankfurt/Main), der Bundestagsabgeordnete der Grünen Jerzy Montag und
der Berliner Psychoanalytiker Yigal Blumenberg über das Thema Trauma,
Erinnerung und öffentliche Gedenkpolitik. Über die Zukunft des Erinnerns
debattierten.
(Bericht: Michael Herrmann, Johanna Kootz, Thomas Schaarschmidt, Josephine Ulbricht)